Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 141 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316731-2334703--13545-2334782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jahresbericht. 141 und das sind die Finanzen. Sie wissen, daß wir unseren Mitgliederbeitrag, wenigstens das Minimum desselben, sehr gering normiert haben. Sie wissen, daß man für 2 Mk. jährlich Mitglied des Cerural- Vereins werden kmn und dafür noch gratis die Zettschrift zugeichickt bekommt. Wir können aber natürlich von den 2 Mk.-Beiträgen nicht leben. Wir möchten beileibe nicht diejenigen missen, die nur diese 2 Mk. Beitrag bezahlen. Die meisten von ihnen können wahrscheinlich nicht mehr beisteuern, und Sie können versichert sem: wir können auf Grund einer nunmehr langjährigen Erfahrung sagen: es sind weiß Gott nicht die schlechtesten Mitglieder und nicht die schlechtesten Juden, die ihr kleines Scherslein beisteuern, um ihr Gewissen zu beruhigen und, was an ihnen ist, für Zwecke der Abwehr zu Lun, und es sollte mancher, der uns fern steht und sich weit erhaben düntt über unsere 2 Mk.-MiLglieder, sich ein Exempe! an ihnen nehmen und nach seinen Verhältnissen beisteuern. Wir sind in unseren Finanzen weiter gekommen, wir haben einen festen Bestand augenblicklich von rund 40 000 Mk. (Beifall). Aber glauben Sie nicht, daß wir damit reiche Leute sind. Im Gegenteil, wirsind bettelarm, wenn wir nur 40 0o0 Mk. in Reserven haben. Wir haben im letzten Jahre einen guten Schritt vorwärts in unseren Finanzen tun können, weil keine besonderen Ausgaben an uns herangetreten sind. Es sind keine großen Wahlen gewesen, es ist kein Könitz gewesen, denn glauben Sie nur: Könitz ist nicht eine Erscheinung, die wir einmal durchzumachen hatten und die einmal Geld gekostet hat, das für die Förderung der Aufklärung ausgegeben werden mußte. Könitz ist etwas, was jedes Jahr zu Ostern von neuem zu kommen droht. Auch in diesem Jahre finden wir bereits hier und zwar vor den Toren Berlins — den Versuch, Könitz nach Berlin zu verlegen. In Karlshorst, berühmt durch seine Pferde bekanntlich (Heiterkeit), ist ein Knabe verschwunden — ein gewiß außerordentlich beklagenswertes Ereignis — und flugs sind antisemitische Blätter, die „Deutsche Hochwacht", wenn ich nicht im, bei der Hand. „Frühlingsbeute" ist die Spitzmarke, unter der das Ereignis erscheint, denn im Frühling ist brkanntlich das jüdische Osterfest, zu dem man dochb^kanntlich Christ enb lut gebraucht. (Heiterkeit). „Frühlingsbeute. Das Verschwinden von Kindern zeigt sich wiederum, wie in dieser Jahreszeit ja üblich ist. Man wird aufmerken müssen, an welchen Orten es verkommt, und wir warnen alle: paßt gut aus auf eure Kinder, der Frübjahrsbeutezug ist wieder im Werke." Am nächsten Tage erscheint dann bereits aus Karlshorst eine Korrespondenz an die geehrte Redaktion: Sie wundern sich über das Verschwenden —- ja, naben Sie denn garnicht gehört, daß in den letzten Tagen hier ein