Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 140 (sequence 16)
- Language
- German
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140 Im deutschen Reich. Hinweisen: wie sollteich denn glauben, unrecht zu handeln, ich habe ja früher schließlich garnichts anderes getan und bin so und so oft freigesprochen worden, und er konnte darauf Hinweisen: ich habe in Glogau den Juden vorgeworfen, daß sie sich zusammengetan haben, um wich zu vergiften, um Mord zu begehen an einem deutschen — nun ja, einem deutschen Edelmann, das ist er ja wohl (Heiterkeit), und da bin ich nur mit 60 Mk. Geldstrafe bedacht worden. Diese Verteidigung Packlers, die nicht der Berechtigung ermangelte, ist ein arger Richterspruch des Angeklagten über die Richter, vor denen er früher gestanden hat. (Lehr richtig!) Auch mir der Heeresverwaltung haben wir vielfach Beziebungen aufnehmen müssen bezüglich der Aufnahme von Juden in UnLerofftzierschulen, bezüglich des Richtavancements der Juden, bezüglich der Nichtannahme von jüdischen Zweijährig-Freiwilligen bei Truppenkörpern, bezüglich einer ganz unerhörten antisemitstchen Aufführung bei einer Karsergeburtstagsfeier und bezüglich der Dispensation von jüdiscken Soldaten an hohen Feiertagen. Wir haben in einem Teil dieser Punkte Entgegenkommen bei den Militärbehörden gefunden, die ja wenigstens vor den Zivilbehörden sich in einem auszeichnen: daß sie nämlich höflicher find als diese. Sonst will ich sie nicht viel hoher stellen, sie haben sich nicht gerade sthr glänzend gezeigt, denn wenn man bedenkt, in welcher Weise die Juden von dem Avancement in dem Heere ausgeschlossen werden, so wird man genug haben von der Objektivität unserer Militärbehörden. Es gebt ja feit zwei Tagen durch die Presse wieder die Nachricht, daß ein jüdischer Vrzefeldwebel der Reserve Reserveoffizier geworden sei. (Zuruf: Rappaport!) Es hinkt diesem Gerücht aber bereits das andere nach, daß er einmal Jude gewesen sei. (Heiterkeit). Es. wird interessant sein, festzuftellen, was daran wahr ist. Ick höre eben, es ist schon authentisch festgestellt, daß der Herr getauft ist; die Grundsätze unserer Militärverwaltung sind also gerettet. (Heiterkeit). Auf dem Gebiete des Verkehrswesens haben wir mehrfach einfchreiten müssen: ich erinnere an die Plakate bei der Stadtbahn, an das Einschreiten gegen Postbeamte, Angestellte der Straßenbahn usw. Wir sind auch wieder vielfach mit Berichtigungen vorgegangeu. Ich will mit diesem Ueberblick über unsere Tätigkeit, der naturgemäß nur in allergedrängtester Form, obgleich er Ihnen vielleicht schon zu Lang war, das wiedergibt, was wir im allgemeinen zu tun hatten, schließen, und muß nur noch * einen Punkt erwähnen, der immerhin eine gewisse Rolle im Leben eines jeden Menschen, auch im polirischen Leben und im Leben jeder Gemeinschaft, spielt,