Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 136 (sequence 12)
- Language
- German
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136 Im deutschen Reich. reffort, an das wir uns wenden mußten. Ich will auch hier nur einen Fall herausgreisen, einen bezeichnenden. In Tegel bei Berlin wurde ein Lehrer gesucht und die Gemeinde annoncierte, daß sich ein „evangelischer" Lehrer melden solle. Nun mag man ja einen evangelischen oder katholischen oder einen jüdischen nehmen, wie man Lust hat. Natürlich dürfte man es nur so tun, daß man, unbekümmert um das Glaubensbekenntnis der Bewerber, den am besten geeigneten nimmt. An sich würde es uns ja nichts angehen, men man wählt. Man darf aber nicht in unserem, doch angeblich paritätischen Staat, in dem doch allen Staatsbürgern alle Aemter Zugänglich sein sollen oder sein sollten, nur einen evangelischen Lehrer suchen, es sei denn, daß es sich um eine evangelische Stiftungsschule handelte, wie sie ja auch existieren. Wir haben uns an die Regierung in Potsdam gewandt, damit dem Unfug gesteuert werde. Die Regierung hat abgelehnt, mit Rücksicht aus den evangelischen Charakter der Schule, und es war das außerordentlich charakteristisch, es wurde nämlich der evangelische Charakter daraus hergeleitet, daß in der großen Mehrzahl die Schüler evangelisch wären. Es ist das deshalb bemerkenswert, weil abzuwarten sein würde, ob, wenn z. B. einmal in einer Klaffe, wie das an einem Gymnasium in Berlin garnicht außer der Welt liegt, die Juden in der Mehrzahl wären, man dann nun schleunigst einen jüdischen Klassenlehrer anstellen würde, mit Rücksicht aus den jüdischen Charakter. Wir haben auch auf diese Konsequenz der Stellung der Regierung in der Beschwerde an den Minister hingewiesen, und der Bescheid, den wir von dem Minister des Geistes (Heiterkeit) bekommen haben, war der, daß die Regierung in Potsdam uns im Aufträge des Ministers schreibt, daß unser Antrag abgelehnt werden muß. Ich bitte, die Begründung Zu beachten» Mehr haben wir nicht gehört. Die Gründe sind in der Tat überzeugend. (Heiterkeit.) Mit dem Justizressort haben wir uns mehrfach beschäftigen müssen. Sie wissen, daß die „Staatsbürger-Zeitung" die Mittel Zu ihrem segensreichen Leben im wesentlichen aus den Inseraten geschöpft hat, die die Gerichtsvollzieher in Berlin ihr gewährt haben. Den Gerichtsvollziehern ist der Wink gegeben worden, daß sie nicht Veranlassung haben, gerade in einer Zeitung, die antisemitisch ist, zu annoncieren, sondern daß sie allein in den Blättern annoncieren dürfen, die den Annoncen die weiteste Verbreitung sichern. Man bedenke, daß es sich um die Aermsten der Armen handelt, denen ihre Möbel abgepsändet werden und verkauft werden sollen, aus die sich die Gerichtsvollzieherannoncen beziehen, und daß aus der anderen Seite der Gläubiger steht, der aus der Versteigerung der Möbel des