Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Jahresbericht
Date
1905-03-01
Page
135 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316727-2316731-2334703--13539-2334776
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Jahresbericht. 135 unter einem Vorwände, nämlich unter dem ganz falschen Vorwände des Tierschutzes, den Juden, die daran hängen, ihrer Religion in allen Punkten nachzuleben, zugemutet, in Gewissensöedrängnis Zu kommen und entweder ihre Religionv.wschriftm nicht ausüben zu können in Punkten, die ihnen außerordentlich heilig find, oder aber sich vollständig eines Nahrungsmittels enthalten zu müssen, das ja doch zur menschlichen Ernährung im allgemeinen als notwendig angesehen wird. Ich meine, es ist das, gleichviel ob man für seine Person Wert aus das Schächten legt oder nicht, ein Gebiet, auf dem wir unbedingt einschreiwn und Schlimmeres verhüten müssen; denn wie schwer gerade dieser Eingriff ist, sieht man daraus, daß auf keinem Gebiet mit solcher Intensität seitens der Antisemiten vorgegangen wird, wie auf diesem, und sie haben es auch dahin gebracht, daß in zweiStädLm das Schächten verboten ist. In Küstrin und in P enzlau hängt die Sache noch, in Sorau ist der Angriff defi. itiv abgeschlagen. Es sind nun Schritte unternommen worden, um Schächtverbote möglichst gesetzlich ausschließen zu lasten, nachdem die Verwaltungsgerichtsbarkeit auf diesem Gebiete versagt hat. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß Juden, die ihrer Religion nachleben wollen, sich daran gehindert sehen sollen dadurch, daß in irgend einer DuodeffLadt eine Stadtverordnetenversammlung antisemitisch angehaucht ist und deshalb — nur deshalb — plötzlich den Drang fuhrt, die T-ere schützen zu müssen. Es ist für die Tiere, wie für jedes Individuum, überhaupt kein Genuß, getötet zu werden; es ist eine gewisse Tierquälerei, eine erhebliche vermutlich, wenn man die Tiere überhaupt Lötet. Nun ist es aber natürlich notwendig für die Menschen, daß die Tiere getötet werden, und daß das Schächten mit die mildeste Art ist, ist ja von Autoritäten, wirklich anerkannten Autoritäten, die nicht parteipolitisch vom Antisemitismus angekränkelt sind, längst zugegeben. Wir sind auf diesem Gebiete tätig gewesen und arbeiten da jetzt zusammen mit dem Verbände der deutschen Juden in einer gewischten Kommission, die die erforderlichen Schritte vorbereitet hat. Schließlich wird ja das Handelsministerium das Seinige tun müssen, um gesetzlich das festzulegen, was dringend erforderlich ist; denn das Handelsministerium ist voll Verständnis für die Lage der Juden in dieser Bestehung und dafür, daß ihnen Schutz werden muß. Der Handelsminister hat auch sonst, als wir ihn einmal anriesen, um jüdische Fortbildungsschüler, die an der Sabbathheiligung sesthalten wollten, rom Unterrichte zu dispensieren, sofort seine Zustimmung gegeben und die Unterbehörden entsprechend angewiesen. Nicht ganz so fanden wir Entgegenkommen in dem Kultus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.