Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 134 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316731-2334703--13538-2334775- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3m deutschen Reich. 134 geworden. Es ist eine Nachwahl allerdings notwendig, in der denkbarer Weise wieder einer hineinhumpeln wird. Aber hoffentlich wird es bei der Nachwahl so bleiben, wie bei der ersten Wahl, wo der letzte Antisemit ausgeschieden worden ist. In der Hamburger Bürgerschaft'hat man es verstanden, sich von den Antisemiten zu emanzipieren. Ein einziger ist als letzte Säule des Antisemitismus dort noch vorhanden, und zwar jener' Schack, der Vorsitzender ist des Deutsch-nationalen HandlungsgehilfeNverbandes, auf den ich Ihre Aufmerksamkeit vorher schon zu lenken mir gestattet habe. Dafür ist eine andere Stadtverordnetenversammlung mit einem strammen Antisemiten bedacht worden, in einer Stadt, wo man es vielleicht am wenigsten hätte denken können, in Frankfurt a. M., und gewählt wurde als Antisemit der dortigen Stadtverordnetenversammlung der Hotelbesitzer Laaß, jener allbekannte Besitzer des „judenreinen" Gasthofs zum Kölnischen Hof zu Frankfurt a. M. Hier kann ich gewiß diesen Ausdruck brauchen, denn er bezeichnet sich selbst so in allen Annoncen und überall, auch z. B. auf den Siegelmarken, die man in vielen deutschen Bädern an Bäumen und an Säulen angeklebt findet. Ueberall verunziert der „stubenreine" Gasthof zum Kölmschen Hos in Frankfurt die Gegend. Nicht überall allerdings in unserem Baterlande würde ihm das gelingen. Dieser Laaß, der Besitzer jenes Hotels, hat schon einen Nachfolger gefunden. An dem Gasthaus im Wutachthal in Baden konnten vorüberfahrende Reisende in großen Lettern über den ganzen Giebel weg finden: „Judenreines Gasthaus". Aus unsere Veranlassung ist von Seiten der Vereinigung Badischer Israeliten eingeschritten und seitens der Verwaltungsbehörde dem Manne aufgegeben worden, zur Vermeidung einer Polizeistrafe das Schild zu entfernen. Er hat Widerspruch erhoben, ist aber damit in allen Instanzen von den Verwaltungsaerichten abgewiesen worden. Sie sehen, auch in diesem Punkte ist man dort weiter als bei uns. Eine Frage, die uns viel beschäftigt hat, ist die Sckächtfrage. Sie wissen, daß in Angermünde und in Potsdam das Schächten jetzt definitiv verboten ist. Auch die Schritte, die unternommen worden sind bei den Verwaltungsbehörden und Verwaltungsgerichren, sind vergeblich gewesen. Es wird keiner von uns die Wichtigkeit der Schritte zur Aufrechterhaltung des Schächtens verkennen dürfen. Es sind gewiß viele unter uns, tk nicht Wert darauf legen, nur geschächtetes Fleisch zu genießen; es ist vielmehr bekannt, daß unter unseren Mitgliedern zahlreiche sind, denen daran an sich garnichts liegt. Indessen sind diese Schritte zum Verbot des Schächtens mit das schlimmste, was den Juden geboten werden kann. Denn hier wird