Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1905-03-01
- Page
- 133 (sequence 9)
- Language
- German
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Jahresbericht. 138 so sind: meine Herren und Damen, — Rußland können wir natürlich nicht zu einem KulturstaaL machen. Wir können uns nur freuen, daß die „gelben Affen", wie die Russen die Japaner nennen, ihnen etwas Kultur bringen (lebhafter Beifall), und wir können uns nur freuen, daß einige erleuchtete Geister in Rußland sind, die noch etwas näher und kräftiger der herrschenden Kaste in Rußland vor Augen führen, daß die Zeit völliger Unkultur, völliger Finsternis auch in Rußland ausgehört hat und daß dort, wenn auch die Sonne noch lange nicht scheinen wird, wenigstens eine gewisse Dämmerung eintreten muß. Daß das der Fall ist und daß das, was Verstand, Vernunft, Kultur nicht vermocht haben, der blasse Schrecken zu Wege bringt, das haben wir bereits in der neuesten Zeit erlebt. Wir haben in diesen Tagen lesen können, daß einer ganzen Reihe von jüdischen Advokatengehilfen in Moskau — man denke: im heiligen Moskau! — gestattet worden ist, Advokaten zu werden. Nun, ich nehme an, daß die russische Justizpflege daran nicht zugrunde gehen wird, wie sich doch auch die unsrige noch immer hält, obgleich es auch hier einige jüdische Advokaten geben soll. (Große Heiterkeit.) Eine Betätigung unserer Vereinsziele mußten wir auch eintreten lassen bei den politischen Wahlen. Wir haben ja im letzten Jahre eigentliche Wahlen, große Wahlen, nicht gehabt, und ich muß kurz auch hier wieder betonen, daß wir uns ja bekanntlich um allgemeine Politik nicht kümmern, daß unser Grundsatz nur ist: bei politischen Wahlen gegen den Antisemiten. Sie haben gesellen, daß diese Tätigkeit einen vollen Erfolg nicht herbeiführen konnte, daß wir noch immer in dem deutschen Parlament eine Reihe von Antisemiten haben. Wir werden es als eine besondere Aufgabe betrachten müssen, die politischen Wahlen in den Wahlkreisen, in denen Antisemiten Chancen haben könnten, vorzubereiten, indem wir uns dabei voll bewußt sind, daß, indem wir diese Elemente ausscheiden helfen, wir nicht nur unssren Zwecken dienen, sondern vor allen Dingen im Dienste des Vaterlands stehen, indem wir von ihm die Schwach abwenden, im Parlament solche Elemente zu haben. (Beifall.) Wir haben auf der anderen Seite immerhin zu konstatwren — in jetziger Zeit ist das schon erwähnenswert — daß dis Volksvertretungen nicht mehr so „judenrein" sind, wie Stöcker vor einiger Zeit rühmen konnte. Im preußischen Abgeordnerenhause haben wir sieben, im Braunschweigischen Landtage zwei, im Anhaltijchen einen jüdischen Abgeordneten. Die Berliner SradverordneLenversammlung ist inzwischen, wenn ich so sagen darf, „antwmitmvm1*