Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / P. R.
- Date
- 1905-02-01
- Page
- 111 (sequence 6)
- Language
- German
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BereinsriachrrchLen. 111 ührungen wiederholt von lebhaften Beifallskundgebungen unterbrochen wurden, betonte mit Wärme die unverbrüchliche Gesetzestreue und die innige Vaterlandsliebe, welche die deutschen Juden stets bewährt 'aben. Er versage sich deshalb auch am Vorabend des Geburtstages des Kaisers und angesichts der bedenklichen Erkrankung )es Prinzen Eitel Friedrich, einen Vorfall Zu berühren, der in Mischen Kreisen eine gewisse Erregung erzeugt habe. Wenn irgendwo Treue Zum Königshause und Zum Vaterlande zu finden sei, so sei dies Lei den deutschen Juden, denen sie als religiöse Pflicht gelte. Unsere vaterländische Gesinnung ist frei von chauvinistischen Anwandlungen, im resten Sinne „national" und um so uneigennütziger, als wir keine Ausuchten auf Pfründen und Ehrenstellen haben. Wenn wir auch weder Landräte noch Reserveosfiziere werden können, so sind wir doch treue Deutsche, die am Vorabend des Geburtstages ihres Kaisers ihm und dem ganzen Herrscherhause Heil und Segen, dem Prinzen Eitel Friedrich eine baldige Genesung wünschen. Bei dem letzten Satze hatten sich alle Anwesenden erhoben und gaben ihre Zustimmung in lautem Jubel kund. — Nach Eröffnung der Debatte bot noch Herr Bankdirektor Brandes, anknüpfend an den Vortrag des Herrn vr. Eldogen, aus der Geschichte seiner eignen Familie einige Mitteilungen über die milde Behandlung, die der große Kurfürst und auch einige watere brandenburgische Regenten den Juden angedeihen ließen, als diese anderwärts noch schwer bedrückt waren. Sodann wurde die Versammlung in üblicher Weise geschloffen. In dcr Hamburg-Altonaer Ortsgruppe des Central-Verems birlt am Donnerstag, den 26. Januar, im überfüllten großen Saale der „Erholung" nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn vr. Samson, Herr Rechtsanwalt Dr. Brodnitz- Berlin einen Vorlrag über „unseren Kulturkampf". Der Here Vortragende bemerkte einleitend, daß der von Virchow zuerst 1873 für dm Kampf zwischen Staat und Ultramontauismus gebrauchte Ausdruck „Kulturkampf" auch den dem modernen Judentum aufgezwungenen Kampf treffend charakterisiere. Unser Kampf sei nicht nur ein Streiten um politische und konfessionelle Rechte, sondern geradezu ein Singen für die durch die judenfeiudliche Bewegung gefährdeten Kulturgüter des Rechtsstaates, der öffentlichen Sicherheit, der politischen Gleichberechtigung, der Freiheit der wissenschaftlichen Forschung. Der Gedner benutzte als Beispiele für die Gefährdung der deutschen Kultur durch dcn Antisemitismus den Fall Pückler, die Konitzer Affäre, den c umkundigen Verfaffungsbruch bei der Behandlung der Juden in der