Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / P. R.
- Date
- 1905-02-01
- Page
- 110 (sequence 5)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 110 sprächen meine Abneigung gegen sie unverhOhlen zum Ausdruck gedrückt hätte und dann doch iw Parlament für die Sozialdemokraten und gegen soZialdemokratische Ausnahmegesetze eingetreten wäre,, mir nachsagen dürfen, daß ich eine schwankende Gestalt sei. Man wird vielmehr mir um so größeren Dank wissen müssen, daß ich, obwohl ich kein Freund der Sozialdemokraten, für ihre unterdrückten Rechte eintrete. Der Generalanzeiger hat in seiner Nummer vom 23. Januar 1905, in welcher er dem Abgeordneten Lenzmann einen Leitartikel unter der Uebcrschnst: „Eine schwankende Gestalt" widmet, un?, d. h. die Leiter des Central-Vereins, zu den schwachmütigen, diplomatisierenden Juden gezäblt, von denen er sich nicht wundern würde, daß sie Herrn Lenzmann in gleicher Weise wie Herrn Kopsch den Dank des Central- Verems für sein mannhaftes Auftreten aussprächen. Ob sein Urteil berechtigt, möge der Verein entscheiden; jedenfalls würden die Leiter des Vereins sich durch Anzapfungen nicht beirren lassen. Wenn der Generalanzeiger den Abgeordneten Lenzmann aus Grund der antisemitischen Angriffe mit angreift, so heißt das nichts anders, als aus die Leimruten der Antisemiten kriechen, die daraus ausgehen, unsere politischen Freunde in unseren Augen Zu kompromittieren und zu diskreditieren, um Zwiespalt in unserem Lager zu säen. Daß wir Juden uns vor Allem aus uns selbst verlassen müssen, braucht den Leitern des Central-Vereins sicherlich nicht gesagt zu werden; darum aber brauchen wir noch nicht unsere Freunde vor den Kops zu stoßen. Wir werden nicht aufhören, auch selbst sür die in der Verfassung uns verbrieften Rechte zu kämpfen, und zweifeln nicht, daß gerade die Ereigniffe in Rußland den Machthabern zum Bewußtsein führen werden, daß nur das Festhalten an Recht und Gerechtigkeit einen wirksamen Schutz gegen die Anarchie zu bieten vermag. Bedauerlich ist es, daß es gerade Rußland gegenüber bisher an der nötigen Festigkeit gefehlt hat, um bei den Handelsverträgen eine erhebliche Verletzung der Gleichberechtigung der deutschen Juden durch eine fremde Macht zu verhüten. Wir erwarten, daß bei dem Abschluß des neuen Handelsvertrages mir Rußland die Vertreter des Deutschen Reiches dem Zaren sagen: „Deine jüdischen Untertanen magst Du behandeln, wie Du cs v.or Gott und Deinem Gewiffen verantworten kannst; deutsche Staatsbürger hast Du nicht weiter zu differenzieren, als die deutsche Reichsverfaffung es tut". Hoffentlich läßt uns die deutsche Reichsregierung hierbei nicht im Stich; sie kann es nicht zulaffen, daß eine fremde Macht sich anmaßt, einzelne deutsche Staatsangehörige so zu mißhandeln, wie dies ^durch die russischen Paß- Vorschriften den nach Rußland reisenden deutschen Juden, insbesondere den Handlungsreisenden gegenüber, geschieht. Der Redner, dessen Aus-