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Im deutschen Reich · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. 93

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-02-01
Page
93 (sequence 13)
Language
German
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Umschau. 93 Diese hindert ihn aber nicht, Dummheiten auszusprechen, welche die freisinnige Wiener Presse zwar spottend verbreitet, die aber bei den Leuten, die nie alle werden, eine zündende Wirkung ausüben. Dieser Tage eröffnete Dr. Lueger seinen Wählern in Margareten, daß die revolutionäre Bewegung in Rußland auf die geheimen Machenschaften der Juden zurückzuführen sei. Die Juden benützen das über Rußland hereingebrochene Unglück, um nur soviel als möglich für sich herauszuschlagen: die gänzliche politische Freiheit und die Unabhängigkeit. „Dem gegenüber können wir", so erklä-te Dr. Lueger weiter, „nur den einen Wunsch hegen, daß Rußland aus diesen Wirrniffen glücklich herauskommt und wieder geordnete Verhältnisse in dasselbe einkehren, um auf diese Weise den schlauen Plan zunichte zu machen". Dazu bemerkt die Sonn- und Montags-Zeitung: ,,So spiegeln sich in einem antisemitsch infizierten Gehirn welterschütternde historische Ereigniffe. Die Juden haben die Revolution in Rußland gemacht, um ihre Freiheit zu erringen, und ein braver Antisemit kann daher nur wünschen, daß „der schlaue Plan zunichte gemacht werde". Basta! Glaubt der Herr Bürgermeister vielleicht, daß die Priester, die mit Kruzifixen, und die Arbeiter, die mit Heiligenbildern auszogen, verkleidete Juden waren? Meint Di-. Lueger wirklich, daß die Semstwos von Petersburg, von Moskau :c, in deren Mitte kein Platz für Juden ist, durch jüdisches Geld bestochen, jene Kundgebungen an den Zaren beschloffen haben, durch die sie sich den gefährlichsten Folgen aussetzten? Und auch Fürst Trubetzkoi stand im Dienste der Jude», als er von einem Fieber der rasenden Verzweiflung geschüttelt, nach einer reineren, freieren Luft verschmachtete? Graf Tolstoi, der in der Rückkehr zu den Lehren des Evangeliums das Heil erblickt und inzwischen den unausgesetzten unerbittlichen Kampf gegen die unchristlichen, korrupten, bestechlichen, hartherzigen Stützen des Zarentums führt, er ist ein Judenknecht? Die führenden Geister der russichen Literatur, die Vertreter der Wiffenschast, die Männer der Intelligenz, die kühn für die Einführung von Reformen arbeiten, sie sind, so denkt Dr. Lueger, alle nur Drahtpuppen, hinter denen die schlauen, kniffigen Juden stehen, die es zuwege brachten, ganz Rußland in Brand zu setzen, um an diesem ihre Suppe zu kochen? Und auch all die unglücklichen russischen Märtyrer, die Männer und Frauen, die ihr Leben auf dem Schaffott, unter der Knute, in den Eisgefilden Sibiriens verhauchten, sie waren nicht die Opfer einer idealen Begeisterung, sondern die bezahlten »der g floppten Werkzeuge jüdischer Spekulation? Es ist auch oft das Unglück der Völker, daß ihnen ihre Führer die Wahrheit nicht sagen wollen. Wer wie der Bürgermeister von Wien

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