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Im deutschen Reich · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. 91

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-02-01
Page
91 (sequence 11)
Language
German
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Umschau. 91 die Behauptung aufstellte, daß „im Zentrum die antisemitische Gesinnung sicher die Majorität hat", schrieb die katholische „Saar-Post": „Das israelitische Blatt täuscht sich entschieden, soweit das Zentrum in Betracht kommt; für ein Ausnahmegesetz gegen die Juden ist im Zentrum kein einziger Abgeordneter zu haben. Schon prinzipielle Gründe verbieten das; wir wollen die gleiche Behandlung aller Staatsbürger aus dem Boden des gemeinen Rechtes. Allerdings bestreiten wir gar nicht, daß es weite Kreise des Zentrums sehr ärgert, wenn sie sehen müssen, daß es gerade Juden und jüdische Blätter sind, die sich der Gleichberechtigung aller Staatsbürger widersetzen, die furchtbar schreien, wenn das Zentrum die Beseitigung der letzten Ausnahmegesetze fordert. Aber dieser sehr erklärliche Aerger veranlaßt das Zentrum nicht, mit derselben Münze zurückzuzahlen; dafür ist es schon zu gerecht. Die Politik der Ausnahmegesetze findet bei ihm nie einen Boden; einmal hier den kleinen Finger gereicht, und man ist verloren!" Trotz dieser erfreulichen Erkenntnis reichen aber die Zentrumsorgane noch immer dem Antisemitismus den kleinen Finger dadurch, daß sie den Juden jedes in politischen Blättern veröffentlichte antikatholische Wort aufs Kerbholz schreiben, auch wenn feit fe Blätter zwar von Juden herausgegeben aber von Protestanten, bezw. von solchen ehemaligen Juden redigiert werden, die sich gedrungen fühlen, in scharfer Polemik ihren Eifer für ihr neues Bekenntnis zu bekunden. Trotzdem die Leiter der Berliner Zentrumsorgane „Germania" und „Märkische Volkszeitung" auch die „Neiffer Zeitung" u. a. katholische Blätter klug genug sind, um zu wissen, daß die glaubenstreuen Juden in keiner Weise imstande sind, Schriftsteller zu beeinflussen, die zum Christentum übergetreten sind oder sich als „Dissidenten" vom Judentum losgcsagt haben, kommen sie immer wieder auf die unverkennbare Fiktion dsr„jüdischen" Tagespreffezurück, währendes nurwöchentlich erscheinende jüdische Fachblätter gibt, in denen nie ein mißachtendes Wort über das Christentum zu finden ist. Die katholischen Blätter sollten beherzigen, daß die im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beklagte Verletzung der verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung aller Bekenntnisse auch für die Parität der Katholiken empfindlich ist. Statt dessen schreiben beide Blätter: „Wie man sieht, ist der Verein gerade im Denunzieren groß. Aber eines vergißt er und übersieht er anscheinend geflissentlich, nämlich die Anpöbelung, die gerade ausgesprochen jüdische Blätter beinahe tagtäglich gegen das Christentum verüben. Erst soll der Verern da einmal reine Bahn machen und sich die bodenlose Hetze der Juden

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