Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-02-01
Page
87 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316727-2316730--13437-2334636
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 87 eine gewisse Rasse, das ist die Betätigung der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich." — Wenn das Organ Bruhns aus günstige Folgen der Teilnahme des Kronprinzen an dem vorerwähnten Kommers rechnete, würde es einerseits den „Verein deutscher Studenten" offen für sich reklamieren, und andererseits nicht fast gleichzeitig unter bissigen Bemerkungen über den „Roland von Berlin" berichten, wie sich bei der Hauptversammlung des Mittelstandsbundes die Redakteure Kammer und Bruhn über die Parade der neuen „Zivilgarde" geäußert haben. Von der „Betätigung der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich" gab der „Verein deutscher Studenten^ fast unmittelbar nach dem Kommers eine Probe dadurch ab, daß er einem Vortrage des Grafen Reventlow über die auswärtige und Weltpoütik des Grafen Bülow zujubelte, die doch, wie alle Welt weiß, die ganz persönliche des Kaisers ist. Der antisemitische Abgeordnete erklärte vor der „Zivilgarde der Hohenzollern": „Heute sehen wir trotz alles Hurraschreiens überall nur elendes Zurückweichen .... Man tut gut, die Bülow'sche Politik nach dem Maßstabe des alldeutschen Gedankens zu messen und dort eine wirkliche Opposition zu unternehmen, wo eine offenkundige Verletzung dieser Ideen nach außen vorzuliegen scheint. Aber auch nach innen müsse man daran gehen, die Schaffung eines größeren Deutschlands vorzumhmen, zu dem allerdings die jetzt leitenden Staatsmänner nicht fähig zu fein scheinen." — Vielleicht erinnert sich der über einen reichen Zitatenichatz verfügende deutsche Reichskanzler bei der bevorstehenden „Schillerfeier" daran, daß es schon früher große Monarchen mit Verdruß bemerkten, daß ihre Söhne durch ihren Umgang dahin gelangten, „die Ratgeber ihres Vaters zu verachten." Die von der „Staatsbürger-Zeitung" gepriesene „Liebe zu Kaiser und Reiche scheint sie nicht gehindert zu haben, sich wieder dem Gräfin Pückler zu nähern, von dem sie zeitweise abgerückt war, weil sie von seiner Verbrüderung mit den „roten Kerlen" schlimme Folgen fürchtete. In einer Verrammlung in der Berliner Tonhalle, in der Graf Pückler anwesend war, aber infolge eines polizeilichen Verbots nicht das Wort ergreifen durfte, hat kürzlich ein Redakteur der „Staatsbürger-Zenung", Döring, aus den Gerichtshof, der Pückler verurteilt hat, heftig gescholten und im antijüdischen Krastmeiertum den Grafen selbst noch zu übertreffen gesucht. In dem Berichte eines zosialdemoktatrschen Blattes wurde dazu bemerkt: „Diese Versöhnung der eine Zeit lang schr feindlichen Brüder ist um so merkwürdiger, als im Reichstage der Chefredakteur der „Staatsbürger-Zeitung",

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.