Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-02-01
- Page
- 83 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 83 oder unabsichtlich in Beruf und Amt die Grundsätze zur Geltung zu bringen versuchen, die ihnen zur Zeit ihrer U6tivitu8 eingeimpst wurden. Ob zu diesen Herren der Referendar Ulrici in Schroda gehört, der als stellvertretender Bürgermeister sich im amtlichen Verkehr zu einer fast unglaublichen Beschimpfung zweier unbescholtenen jüdischen Bürger hinreißen ließ, ob ferner der Richter es ist, der als Sühne für einen solchen Fehltritt eine Geldstrafe von zwanzig Mark als hinreichend erachtete, mag ununterfucht bleiben. Die Nachforschung lohnt nicht; denn diese Art von Antisemitismus in den akademischen Kreisen ist leider längst nicht mehr ein kennzeichnendes Merkmal des „Vereins deutscher Studenten." Dieser hat aber nicht in solcher Beziehung nur vorbildlich gewirkt, sondern auch stets die antisemitische Tendenz so offen zur Schau getragen, daß der Vater des Antisemitismus, der ehemalige Hosprediger Adolf Stöcker, sich aus Dankbarkeit gedrungen fühlte, ihm bei dem jüngsten großen Kommers des Vereins einen Ehrentitel zu verleihen, den der „Zivilgarde der Hohenzollern". Ob dem „Vereine deutscher Studenten" ein solcher Titel gebührt, ist zweifelhaft, noch zweifelhafter aber jedenfalls, ob es Herrn Stöcker zukommt, den Hohenzollern eine Zivilgarde aufzudrängen, deren sie gewiß nicht bedürfen. Als diese seltsame Aeußerung fiel, waren die beiden Hohenzollern-Prinzen, die an dem Festkommers teilgenommen hatten, nicht mehr gegenwärtig. Daß der Kronprinz und Prinz Eitel - Friedrich an diesem Kommers teilgenommen haben, ist kein welterschütterndes Ereignis, aber die Art, wie die Anwesenheit der beiden Prinzen von den Antisemiten ausgebeutet worden ist, um dem „Verein deutscher Studenten" und seinen „nationalen" Bestrebungen einen Glorienschein zu verleihen, hat doch nicht nur in jüdischen, sondern auch in fast allen liberalen Kreisen das Bedenken wach gerufen, daß dadurch viele Studenten in den Wahn versetzt werden könnten, daß der studentische Antisemitismus nun Aussicht habe, „hoffähig" zu werden. Diesen Wahn wackzurufen, haben sich die antisemitischen Führer, welche in großer Zahl dem Kommers beiwohnten, redlich bemüht und dabei mindestens Augenblickserfolge erzielt. Daß der Kronprinz die Erlaubnis seines Vaters erhielt, an dem Kommers eines radikal-antisemitischen Studenten- Vereins teilzunehmen, beweist hinreichend, daß der Kaiser seinen Sohn gegen Verlockungen seiner politischen Gegner gefeit erachtete. Nachträglich wird die unbekannt gebliebene Persönlichkeit, welche den Anlaß zur Annahme der Einladung gegeben hat, trotzdem dies bereut und sich höchstens damit entschuldigt haben, daß sie den Mißbrauch zu politischen Parteizwecken und die dadurch vielfach erzeugte