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Im deutschen Reich · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. 82

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-02-01
Page
82 (sequence 2)
Language
German
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82 Im deutschen Reich. „Scheiterhaufenbrieses" noch des Prahlens Stöckers mit der Huld „seiner lieben Freundin", um seinen Sturz herbeizusühren. Daß der Sohn des vorurteilslosen Kaisers Friedrich und der hochgesinnten Kaiserin Viktoria, der als Regent selbst den zielbewußten eisernen Kanzler entbehren zu können glaubte, sich nicht von einem unduldsamen Finsterling leiten lassen würde, war unschwer vorauszusehen. Sobald dies die strebsamen JnLriguanten merkten, gab sich ihr entfachter Groll dadurch kund, daß sie eine förmliche „Fronde"' bildeten und die in weiten Kreisen der Bevölkerung vorhandene Bismarck- Begeisterung als Mittel benutzten, die Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Verhältnissen zu erregen bezw. zu steigern. Bei diesem Bestreben mußten sie schließlich auch auf den Versuch kommen, im Königshause selbst den verlorenen Boden wieder zu gewinnen. Der Satz „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft!" hatte bei ihren Bestrebungen stets die Bedeutung einer Losung. Rastlos hat sich der ehemalige Hofprediger bemüht, in diesem Sinne zu wirken, so daß er, nicht zufrieden mit dem ansehnlichen Anhang in dem „Verein deutscherStudenten" und dem „Verband deutsch-nationaler Handlungsgehilfen", neuerdings auch noch an weit jüngere Elemente der Bevölkerung werbend heranzutreten versuchte. Der „Verein deutscher Studenten" ist, wie in einer Zuschrift bemerkt wird, aus konservativen und antisemitischen Strömungen erwachsen: „Dieselbe Welle, die einst die „Berliner Bewegung"' empor hob, trug auch ihn ans Land. Kaisertreu gesinnt zu sein und, wie der jetzige Generaldirektor der Staatsarchive, Reinhold Koser, es einmal auf einem V. D. St.-Kommers ausdrückte, „bismärckisch san8 phrase", schien der damaligen akademischen Jugend ein so natürliches Ideal, daß sich Tausende bereitwillig unter die Fahnen des V. D. St. stellten, die an sich nicht die geringste Befähigung zum antisemitischen und konservativen Parteimann hatten." Das trifft gewiß vollständig zu, aber beweist noch keineswegs die Richtigkeit der in der erwähnten Zuschrift enthaltenen Mahnung, die Bedeutung dieses Vereins für den Nachwuchs der antisemitischen Konservativen nicht zu hoch einzuschätzen. Es ist bekannt, daß Wolfgang Heine bis in die zweite Hälfte seines Referendariats „Alter Herr" des V. D. St.-Berlin, Hellmut von Gerlach es noch bis vor wenigen Jahren war, daß Friedrich Naumann heute noch ein alter Herr des Leipziger Kartellvereins ist und Dr. Max Maurenörecher es bis zu dem Tage war, wo er das nationalliberale Parteisekretariat mit dem sozialdemokratischen Brandsuchsentum vertauschte.^ Das sind aber nur ganz vereinzelte Fälle; bei weitem größer ist sicher die Zahl der Alten Herrn des V. D. St., die heute in Amt und Würden sind und absichtlich

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