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Im deutschen Reich · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Verkehr mit Russland
Date
1905-02-01
Page
78 (sequence 6)
Language
German
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78 Im deutschen Reich. geantwortet, das sei bei der russischen Rechtsauffassung über die Stellung der Juden nicht möglich gewesen. Als später der Abg. Kämpf hervorhob, daß den jüdischen Reisenden auch künftig noch ganze russische Gouvernements verschlossen bleiben, erklärte der Staatssekretär Graf Posadowsky, daß weitere Zugeständnisse von den russischen Händlern deshalb nicht zu erlangen gewesen seien, weil sich die russische Staatsverfassung jeder ausländischen Einwirkung entziehe. Aus die Dauer wird sie das nicht können, denn jene Staatsversasfung hat nur Geltung für Angehörige des russischen Staates; die Abstammung und das Religionsbekenntnis fremder Staatsbürger verleihen diesem Staat kein Recht, diese fremden Gäste verschieden zu behandeln. Unsere deutschen Antisemiten verleugnen ihrem Parteistandpunkt zuliebe ihren deutschen Bürgerstolz, wenn sie der russischen Regierung ein Recht zuerkennen, ihre Mitbürger jüdischen Bekenntnisses nach Art der russischen Untertanen zu behandeln. Zu diesen verbohrten Antisemiten rechnen wir auch den „hanseatischen Kaufmann", der in den „Hamburger Nachrichten" in einem „Gorki nicht frei" umschriebenen, mit zahlreichen Ausfällen gegen die Juden verbrämten Ariikel sich nicht entblödete, die Beschränkungen deutscher Juden in Rußland für gerechtfertigt zu erachten, es aber anderen zu verwehren, über das ungestrafte Totschlägen der Juden in Kischinew und Hömel Protest zu erheben. Wir maßen uns kein Urteil über die Qualität unserer Glaubensgenossen in Rußland an, meinen aber, daß, wenn der Satz wahr ist, daß jedes Land die Juden hat, die es verdient, der russische Staat, der seine wehrlosen jüdischen Bürger ausplündern und morden, ihre Peiniger aber straflos läßt, mit seinen Juden noch sehr zufrieden sein könnte. Der Dichter Gorki ist kein Jude; die Anregung, bei der russischen Regierung seine Freilassung zu befürworten, ist nicht von Juden ausgegangen. Wäre es der Fall, so wäre es vom Standpunkt der Menschlichkeit nur anzuerkennen, höchstens vom Standpunkt des Politikers zu tadeln, da Deutsche der russischen Regierung keine Vorschriften zu machen haben, wie sie mit ihren heimischen politischen Gegnern verfährt. Aber dem „hanseatischen Kaufmann" kam dies ganz gelegen, um die Vaterlandstreue deutscher Juden anzuzweifeln; er ist bereit, den russischen Christen Gorki zu opfern, wenn dabei seine deutschen Mitbürger nur weiter russische Unbill erleiden und ihm dabei die Hoffnung bleibt, daß russische Menschlichkeitsbegriffe nach Deutschland durchsickern. Daß dieser „hanseatische Kaufmann" unter seinen Berufsgenossen nicht viele Gesinnungsgenossen hat, beweist die rühmliche Haltung der deutschen Handelskammern. Daß es aber doch noch mehr solche Käuze wie ihn gibt, und daß die „Hamburger Nachrichten"

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