Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Verkehr mit Russland
- Date
- 1905-02-01
- Page
- 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316730-2334545--13423-2334625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
76 Am deutschen Reich. Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" bei der Vorbereitung des letzten deutsch-russischen Handelsvertrags nicht gelungen, trotz seiner Verhandlung mit Geheimräten einen Erfolg zu erzielen. Es zeigt sich also auch hier wieder einmal, daß man Fragen von prinzipieller Wichtigkeit niemals einer einzigen Stelle, und wenn sie sich auch noch so prätentiös gebärde, überlaffen darf, und daß kein Verband und wenn er auch noch so centralifch ausgebildet ist, der Preffe entraten kann." — Trotzdem wir sonst, vielleicht infolge unserer angeblich centralischen Ausbildung, ziemlich gut informiert sind, haben wir bisher noch nichts davon erfahren, daß der Erfolg bei dem Handelsvertrag mit Rußland den unermüdlichen Hinweisen des Herrn Dr. Neustadt zu danken ist, noch weniger davon, daß wir uns bei unfern Bemühungen auf Verhandlungen mit Geheimräten beschränkt oder aus Mitwirkung der Preffe verzichtet hätten. Hätten wir eine Ahnung davon gehabt, daß Herr Di. L. Neustadt einen solchen Einfluß besitze, dann würden wir uns keineswegs prätentiös gebärdet, sondern uns seiner Mitarbeit versichert haben. Was er eigentlich bei der ganzen Sache besonders geleistet hat, ist uns freilich völlig unbekannt. Daß er sich über unfern Erfolg so freut, als ob es der seinige wäre, ist edel und berechtigt uns zu der Hoffnung, daß er nun Mittel und Wege finden und uns lehren werde, den uns selbst noch keineswegs genügenden Erfolg bei dem neuen Handelsverträge dadurch zu vervollständigen, daß Rußland gezwungen wird, auf die konfessionelle Differenzierung bei Visierung der Päffe der nach dem Zarenreiche reisenden deutschen Juden vollständig zu verzichten. Mit Recht bemängelt der „Russisch-Deutsche Bote" auch, daß in dem neuen Vertrage nur die Giltigkeitsdauer der Paßvisa der jüdischen Handlungsreisenden auf 6 Monate ausgedehnt ist, daß aber Bestimmungen fehlen, wie es mit den nach Rußland reisenden deutschen Juden gehalten werden soll, die nicht Vertreter gerichtlich eingetragener Firmen sind, daß ferner nicht gesagt ist, daß künftig einPaß für nach Rußland reisende deutsche Juden ohne die besondere Erlaubnis des russischen Ministers oder eines Gouverneurs visiert wird. Das sind Mißstände, die der Abhilfe dringend bedürfen, aber voraussichtlich nur dann vollständig beseitigt werden können, wenn diese Abhilfe nach Beendigung des russisch-japanischen Krieges auf einem europäischen Kongreß durch alle Signatarmächte gemeinsam von der russischen Regierung gefordert wird, oder wenn diese, durch Unglück belehrt, selbst daran geht, die im allgemeinen traurigen „russischen Zustände" zu „sanieren". Ein nicht auf Handelskreise bezügliches russisches Zugeständnis der vollständigen Beseitigung der „konfessionellen Differenzierung" war