Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Verkehr mit Russland
- Date
- 1905-02-01
- Page
- 75 (sequence 3)
- Language
- German
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Verkehr mit Rußland. 75 uns hochgeschätzte Hamburger „Israelitische Familienblatt" behauptet, es habe vor etwa 3 Jahren aus die mehrfach erwähnte unstaLLhafte Praxis der ruffischen Regierung htngewiesen und „dann nahm sich auch der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens der Sache an." Das haben wir 7 Jahre vorher getan. Daß „der Anregung und den eindringlich vorgetragenen berechtigten Wünschen" des Familienblatts „endlich Rechnung getragen worden ist", wissen wir nicht. Den Reichsbehörden dürften sie nicht vorgetragen worden sein, ebensowenig den sämtlichen deutschen Handelskammern, an die der Central-Verein deutscher Staatsbürger sich im Januar 1903 in einer sehr eingehend begründeten Eingabe gewandt hat, weil wir nach und nach zu der Ueberzeugung gelangt waren, daß diese Frage nicht vom Standpunkte der Gleichberechtigung der Juden aus, sondern von dem einer ernsten Schädigung des deutschen Handels praktisch zu lösen sei. Damit haben wir den glänzenden Erfolg erzielt, daß über 100 deutsche Handelskammern, die in unserem Rundschreiben enthaltenen Darlegungen so zutreffend fanden, daß sie diese ihren Eingaben an die Reichsregierung, kezw. an die Bundesregierungen, zugrunde legten. Bei dem Abschluß eines neuen Handelsvertrages konnten aber die Stimmen der berufenen Vertreter des deutschen Handels nicht überhört werden — und sie sind nicht überhört worden. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" schreibt: „Ein großes Verdienst hat auch der Central-Verein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens in dieser wichtigen Angelegenheit erworben, der eine Petition der deutschen Handelskammern veranlaßte, in welcher der deutsche Reichskanzler ersucht wurde, bei dem Abschluß des neuen Handelsvertrages mit Rußland dafür Sorge tragen zu wollen, daß die differentielle Behandlung der Geschäftsreisenden mosaischen Glaubens in Rußland aushöre". Im Allgemeinen dürften diese Worte die Anschauung wiedergeben, die in den weitesten jüdischen Kreisen Deutschlands herrscht, was uns darüber trösten muß, daß der Herausgeber des „Jüdischen Volksblattes" in Breslau, Herr Dr. Louis Neustadt, anderer Meinung ist. Er sagt: „In jedem Fall ist der Ersatz in den beiden Punkten im Interesse unseres Handels freudig zu begrüßen. Wie der neue Handelsvertrag zeigt, bedarf es nur der Anregung, um berechtigten Wünschen den Erfolg zu sichern. Da wir auch an unserm Teile unermüdlich bei jeder Gelegenheit auf Durchdringung der Gleichberechtigung bingewiesen haben, so dürfen wir unserer Freude doppelt Ausdruck geben, daß der Erfolg nicht ausgeblieben ist. Bekanntlich ist es dem „Central-