Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Verkehr mit Russland
- Date
- 1905-02-01
- Page
- 74 (sequence 2)
- Language
- German
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74 Im deulschen Reich. Der Reichskanzler bezeichnet in der Reichstagssitzung vom 1. Februar ab diese Neuerung als ein „wertvolles Zugeständnis Rußlands", und wenn auch der Abg. Bruhn in der Reichstagssttzung bei der Frage des freisinnigen Abg. Kämpf, was denn eigentlich bei den HandelsverLragsverhandlungen erreicht worden sei, die rückschrittlich-gesinnten Abgeordneten durch den boshaften Zwischenruf „Die jüdischen Handlungsreisenden" zu ergötzen suchte, hat er doch selbst dadurch zugegeben, daß damit etwas erreicht sei. Daß noch nicht alle berechtigten Wünsche erfüllt sind, ist ebenso sicher, als daß diese Neuerung doch immer eine erhebliche Besserung der betreffenden Verhältnisse darstellt. In der Handelsvertrags-Kommission des deutschen Reichstages richtete der Abg. Singer die Anfrage an die Vertreter der Regierung, ob diese Versuche gemacht habe, die jüdischen und christlichen Reisenden vollständig gleichzustellen. Er verlangte zu wissen, wie sich die Lage der jüdischen Reisenden bei der Erlangung von Legitimationspapieren gestalte. Der Vertrag betreffe doch nur die staatlich erhobenen Summen; wie stehe es mit den Kommunalzuschlägen? Finde da nicht eine Differenzierung zwischen christlichen und jüdischen Reisenden statt? Ein Regierungskommissar entgegnete hierauf, daß bei den Handlungsreisenden die Verlängerung der Paßvisa und die Legitimationsscheine das gewesen seien, was im Punkte der Gleichstellung zu erreichen gewesen sei. Das. ist um so glaubhafter, als die bisher noch nahezu ergebnislosen Verhandlungen, welche das Kabinet von Washington über den Wegfall der konfessionellen Differenzierung der nach Rußland reisenden amerikanischen Juden seit Monaten mit dem russischen Botschafter, Grafen Cassini, führt, hinreichend beweisen, wie zähe sich die russischen Staatsmänner an dieser unberechtigten Behandlung fremder Staatsbürger festklammern und daß selbst die Regierung des ncrdamerikanischen Freistaates es vermeidet, es mit Rußland zu verderben. Was die deutschen Vertreter bei den Handelsvertrags-Verhandlungen für die mindestens teilweise Gleichstellung der jüdischen Handlungsreisenden erreicht haben, wird zweifellos jene überseeischen Verhandlungen fördern, denn das „teilweise Zugeständnis" im Handelsverträge mit Deutschland ist schon — nach russischen Begriffen — „ein Schritt vom Wege." Seit 10 Jahren beschäftigt unser Central-Verein sich mit dieser schwierigen Angelegenheit. Damals wurden wir in einer Audienz bei dem Staatssekretär Marschall von Bieberstein belehrt, daß diese russische Differenzierung der nach dem Zarenreiche Reisenden zunächst garnicht und später kaum auf einmal zu beseitigen sein würde. Es stimmt mit weithin bekannten Tatsachen nicht überein, wenn das von