Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 47 (sequence 2)
- Language
- German
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Ver-insnachnchLen. 47 Der Vortragende beleuchtete mit feinem künstlerischem Empfinden dann die hauptsächlichsten, in Rom entstandenen Schöpfungen Oppenheims, bot eine interessante Darstellung seiner Beziehungen zu Goethe, dem er vorzügliche Zeichnungen zu Hermann und Dorothea und anderen Meisterwerken lieferte, und kam hierauf zu der Epoche im Leben des Künstlers, in der in Frankfurt a. Main jene Kunstwerke entstanden, die seinen Ruhm für immer begründeten, weil es ihm vergönnt war, in ihnen sein innerstes Fühlen und Denken wunderbar zum Ausdruck zu bringen, die berühmten „Bilder aus dem jüdischen Familienleben." In diesen habe er gezeigt, wie die deutschen Juden in die neue Zeit das Beste aus der alten Zeit hineinretten können, in sie künstlerisch hineingezaubert, was Gabriel Rießer in stammenden Worten kundgegeben hat: die Treue zum Judentum und den männlichen Anspruch auf alle Rechte eines demschen Staatsbürgers. Diesen Nachweis führte der Vortragende durch eine feinsinnige Zergliederung der hauptsächlichsten Gemälde Oppenheims, die Sabbath-Bilder, mit dem befreienden Aufschwung der jüdischen Familie aus unverdienter Erniedrigung, mit der „Bocher"-Gestalt, durch die er gegen die antisemitische Verleumdung des jüdischen Bildungstriebes wirkungsvoll protestierte, mit der Darstellung des armen russischen Tischgastes, die einen schreienden Protest gegen den unsere Glaubensgenossen im Osten Europas marternden rohesten Antisemitismus verkörpert. Der Redner verwies dann auf das Bild mit der offenen Tür am Sederabend, durch welche der Jude zu allen Zeiten einen Zornesruf gegen Verleumdung und Bedrückung hinausdonnerte, auf das Bild der Laubhütte, in die ein christlicher Knabe mit abgewogener Mütze hineinlugt, ein Symbol für die unwillkürliche Achtung, die unfern Gegnern jeder Einblick in unser religiöses Familienleben abnötigt. Die Krönung seiner Werke habe aber das von den Badenser- Juden dem Vorkämpfer Gabriel Rießer verehrte Bild „Heimkehr des jüdischen Freiwilligen aus dem Befreiungskriege" gebildet, auf dem der Vater des jungen Kriegers gleichzeitig den Talmud und das Eiserne Kreuz berührt; dies sei ein Protest gegen die Judenfeinde, die uns abstreiten wollen, daß wir gleichzeitig unfern Glauben und and unser Vaterlaud lieben und für beide freudig in den Kampf a§hen. In diesem Bilde habe Rießer die Kongenialität Oppenheims ukannt, erkennen wir aber die Uebereinstimmung der künstlerisch zum Ausdruck gebrachten Anschauungen Oppenheims mit den Tendenzen des Aentral-Vereins; sie lassen sich aber auch zusammenfaffen in dem Motto, das ein anderer „MosesMoritz Lazarus, seinem großen schriftstellerischen Wirken aufprägte: Treu und frei! — Mit gespannter Aufmerksam-