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Im deutschen Reich · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. 48

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-01-01
Page
48 (sequence 3)
Language
German
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fett war die Zuhörerschaft diesem geistreichen Vorträge, der I Stunden währte, gefolgt, bald ergriffen durch manche gemütstiese Ausführungen, bald wieder erheitert durch Blitze feinen Humors; am Schlüße aber gab sich der Eindruck dieser rhetorischen Leistung durch langanhaltenden rauschenden Beifall kund. In beredten Worten brachte der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Brodnitz, die allgemeinen Empfindungen zuw Ausdruck, wirkungsvoll betonend, daß es tatsächlich eine Existenzbedingung für das Judentum sei, daß wir in die neue Zeit das Edelste hinüberretten, was die Alten befaßen und in schweren Zeiten bewahrten. Gelinge uns dies nicht, schmücken wir unsere Häuser nicht mit den edelsten Reliquien der Vorfahren, lassen wir den Idealismus schwinden und vernachlässigen die Charakter - entwickelung, dann sei auch der Kampf um unser Recht vergeblich. Zu den Tagesfragen übergehend, besprach der Redner das Verhalten der Behörden in der Pückler-Angelegen heit, würdigte die Bedeutung der Kausmannsgerichtswahlen und die Gefährlichkeit der Kompromisse mit dem antisemitisch geleiteten und durchsetzten Deutsch.nationalen Handlungsgehilsen-Verband, und verwies daraus, daß für eine Gegenagitation der Central-Derein unentgeltlich Flugblätter zur Verfügung stelle. Er betonte endlich, daß gegenwärtig eine neue russische Anleihe den deutschen Finanzkreisen zugeführt werde. Es gebe zu ernsten Gedanken Anlaß, daß offenbar deutsche Juden von maßgebendem Einfluß sich an entscheidender Stelle an der Unterbringung der russischen Anleihe beteiligen. Sollten diesen Herren bei ihrer Tätigkeit nicht die unglücklichen Opfer von Kischinew und Hömel vor die Seele getreten sein? Der Jude unserer schweren Zeit könne, wenn er an der Erfüllung unserer Ausgaben Mitarbeiten wolle, sich in der Frage der Charakterentwickelung sein Ziel nicht hoch genug stecken. Der Satz „Geschäft ist Geschäft" müsse für den selbstbewußten Juden seine Beschränkung in dem Prinzip finden, daß er Niemandem die Hand reiche, der jüdische Glaubensbrüder in ihren Menschen- und Bürgerrechten kränkt. Es sei deshalb gleichgiltig, ob die Anlegung von Geldern in russischen Staatspapreren vom rein finanziellen Standpunkte empfehlenswert sei oder nicht. Diese Frage zu beantworten, sei nicht unsere Ausgabe. Wohl aber müßten wir es als unsere Ausgabe betrachten, unsere Mitbürger zum Nachdenken darüber aufzusordern, ob für uns deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens es mit unserer Würde vereinbar ist, sich auch nur indirekt an russischen Finanzoperationen zu beteiligen, so langte russische und deutsche Juden in Rußland sv behandelt würden, wie dies bisher geschehen sei. Auf den Vortrag Zurückgreifend, zollte der Redner den in den Bildern

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