Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 32 (sequence 13)
- Language
- German
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32 3m deutschen Reich. öffentlichte kaiserliche Erlaß an Len russischen Senat enLHLtt außer der Anbahnung anderer heilsamer Reformen auch die Zusickerung größerer Duldsamkeit gegen Andersgläubige- Diese Zusicherungen bezwecken, auf weite Klassen der Bevölkerung beruhigend zu wirken. Die freikonservative „Post" bat jedoch nicht Unrecht, wenn sie sagt: „Wir glauben aber nicht, daß gerade diese Reformen von Dauer sein werden. Sie hat die Not der Zeit, aber nicht das Herz der regierenden Kreise diktiert. Wenn der russische „Tschmownik" wirklich bessern und Helsen wollte und könnte, hätte er wahrlich nicht erst bis zum Erlasse des Zarenmanifestes zu warten brauchen. Ohne eine durchgreifende Reform des ganzen Beamtentums dürften sich die Reformen kaum durchführen lassen." Eine neuere Bekanntmachung der russischen Regierung, welche alle Versuche, die geschichtlichen Grundlagen der russischen Staatsverwaltung anzutasten, mit schweren Strafen bedroht, beweist klar und deutlich, daß die zu erwartenden Reformen einen sehr konservativen Charakter tragen und keineswegs das Uebel der Beamtenwillkür ausrotten werden. Es sind immerhin einige Erleichterungen für die Juden in Aussicht genommen; so soll jenen, die ihrer Militärpflicht entsprochen haben, oder die sich dem Militärdienst freiwillig widmen und für tauglich befunden werden, in Zukunft die Freizügigkeit und Seßhaftmachung in ganz Rußland ohne jede Beschränkung zuerkannt werden. Es soll ferner der im Reichsrat eing brachte Gesetzentwurf, nach dem die Beförderung g> lauster Juden zu Offizieren verboten wird, zurückgezogen werden, die Leitung der jüdischen Angelegenheiten von dem Polizeidepartement auf das Departement für allgemeine Angelegenheiten übergehen u. a. m. Das El scheinen der von dem berüchtigten Antisemiten Kruschewan in Kischinew herausgegebenen Ze-tung „Bessarabez" ist von dem Minister des Innern auf die Dauer von drei Monaten untersagt worden. Nach dieser Frist wird frerttch die neue russische Anleihe im Auslande unterbracht sein und dann kann die Hetze wieder losgehen, welche den russischen Machthabern die vielleicht nicht unerwünschte Handhabe bietet, sich aas „Imponderabilien" zu berufen, alle „Erleichterungen" den Juden wieder zu entziehen und diese wieder der Ausbeutung kleiner Satrapen preiszugeben, die schon jetzt den für ihr kärgs liches Einkommen scheinbar unerläßlichen Umschwung vorbereiten. So wurden dieser Tage in Jekatermoslaw massenhaft Proklamationen verbreitet, worin die Christen aufgefordert werden, die Juden zu vernichten, denn sie wären schuld an dem Krieg, und hätten den Minister des Innern, Fürst Swiatopolk Mirski bestochen,