Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 29 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau- 29 ganzen Erbärmlichkeit und werden der allgemeinen Schmach und Verachtung anheimfallen." Graf Pückler forderte dann seine roten Brüder auf, ein kleines Revolutwnchen zu veranstalten, und bei den reichen Juden fick die Taschen zu füllen. Er rief ihnen zu: „Sammelt Euch jetzt überall in geschlossenen Bataillonen zum Sturm. Ich bin Euer Führer und leite den Angriff auf das teuflische, verfluchte, niederträchtige, vöikerfreffende und gemeine Judentum. Berlin muß stehen unter dem Zeichen der roten Fahne." Die Erkenntnis der GesährlichkeiL selchen Treibens kam bei den B Hörden zu spät. Der „Pückler-Jargon" ist off nbar schon gang und gäbe in Kreisen geworden, die ihre „erstklassige" Art sonst durch vors nehme Gesinnung und Ausdrucksweise zu bewähren pflegten. Aber ehe sich das äußere Wesen und Auftreten der Angehörigen dieser Schichten durch den Besuch der Pückler-Versammlungen und das Anhören von Dreschflegel-Reden vergröberte, hatte es schon durch den Geschmack an den Judenwihen Liebermanns wesentlich an Feinheit verloren, oder es war ihnen die „Rassen-Ueberhibung" und das „konfersionille"' Vorurteil dadurch eingeimpft worden, daß sie zur Corona Stöckers oder chauvinistischer Universitätslehrer gehörten. Graf Pückler selbst erscheint bei genauer Betrachtung nur als die logische Konsequenz der Vorbildung durch eine derartige ungesunde geistige Nahrung. Mt Recht schrieb am 31. Dezember die „Freie Deutsche Presse": „Das Werden und Vergehen des Dreschgrasen ist eine Episode, die es verdient, als politisches und kulturgeschichtliches Zeitkuriosum von Chronisten der Nachwelt überliefert zu werden.^ Aus dem betreffenden Leitartikel scheint aber auch deutlich die Absicht der freisinnigen Volksvertreter hervorzugehen, schon die Mitwelt über dieses Kuriosum aufzuklären, denn es heißt in dem Artikel wörtlich: „Es bleibt immer noch aufzuklären, warum die Behörden so spät eingesckritten sind, und es könnte nur nützlich sein. Denn der Herr Reichskanzler in vollster Orffentlichkeit sich darüber auslasse, wie in Zukunft derartigen Skandalen vorgebeugt werden soll." In einem vom 4. Januar datierten geharnischten Artikel „Nochmals die Pückler-Jnterpellation" begründet die „Freie Deutsche Presse" diese Notwendigkeit und bemerkt dabei: „Die Interpellation richtet sich nicht nur gegen den Grafen Pückler, sondern gleicher Weise gegen seinen Anhang. Im übrigen aber sind die Beispiele in der Weltgeschichte nicht vereinzelt, wo Wahnwitzige eine Menge zu verderblichem Tun hingerissen haben — wir erinnern nur an Thomas Münzer und seine Anhänger, an die Flagellanten und Sektierer — und erst in jüngster Zeit sind