Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 28 (sequence 9)
- Language
- German
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Z8 Im deutschen Reich. worfen worden ist. Die Verwaltungsbehörden der Umgebung von Berlin haben sich dem Grasen Pückler gegenüber mit wenigen Ausnahmen auf den Standpunkt des Polizeipräsidenten von Berlin gestellt. Als er in Oranienburg sprechen wollte, erging nachstehender Bescheid der dortigen Polüewerwaltung: „Nach amtlicher Auskunft soll Gras Pückler-Klein-Tfchirne geistig nicht normal sein, und kann daher sein Auftreten in der Versammlung nicht gestattet werden, da bei diesem seinem Zustande eine öffentliche Aufreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten gegeneinander zu befürchten ist. SoÜte Graf Pückler dennoch als Redner auftreten, so würde seine Sistierung behufs Feststellung der Personalien erfolgen müssen." Eine von der Pückler-Vereimgung bei dem LandraL des Kreises Niederbarnim erhobene Beschwerde gegen ein Veisammlungsverbot erwies sich als erfolglos. Auch der Versuch der Vereinigung, das Berliner Redeverbot dadurch zu umgehen, daß sie den Grafen in einer geschlossenen Vereinssitzung seine Dreschrede wollte halten lassen, schlug fehl, da die erschienenen behördlichen Vertreter noch vor Eröffnung der Sitzung erklärten, daß der Gras unter keinen Umständen das Wort ergreifen dürfe. Bald darauf ist aber Gras Pückler doch bei einer Weihnachtsfeier seiner Anhänger dazu gelangt, seine politische Weisheit zu verzapfen, dabei sich von der Gefolgschaft Bruhns offen loszusagen und unter Abwerfung der loyalen Larve rückhaltlos als Anarchist zu entpuppen. Er erklärt: „Wenn unsere Minister und Staatsmänner so weiter simpeln und dösen, werden sie die wichtigsten Dinge verschlafen . . . Wenn die Staatsanwälte weiter fortfahren, die Vorkämpfer des Deutschtums zu verfolgen und zu chikanieren, wereen sie über kurz oder lang der allgemeinen Verachtung anheimfallen und kein anständiger Mensch wird mehr mit den Onkels verehren." Auch die deutschen Fürsten sind nicht nach dem Geschmack des Grafen Pückler. Vüle von ihnen verkehrten ja jahraus jahrein mit schmutzigen und dreckigen Judenkerlen, die er für seinen Teil nicht mit der Zmge anfasien möchte. Den deutschen Frauen empfiehlt der Graf, Furien und Tantippen mit furchtbar großen Schnauzen zu werden und ihre Männer gegen die Juden auftuhctzen. Ueber die Deutsche Reforrnvartei, a so über seine bisherigen intimsten Freunde, urteilte Graf Pückler bei der Weihnachtsfeier wie folgt: „In der sogenannten Reformpartei befinden sich allerdings viele Schwindler^ und Betrüger. Die Kerle behaupten, sie seien Antisemiten, si rd es aber nicht, sondern es sind Leute, die ihre eigenen Gesinnungsgenossen beschimpfen und lästern. Diese Lümmels werden aber über kurz oder lang erkannt werden in ihrer