Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 27 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 27 verletzen ober auch nur verschnupfen formte. Wir bleiben allerdings nach wie vor der Anschauung, daß die deutsche Ostmarkenpolitik nur dann erfolgreich wirken kann, wenn, sie mit einem Tropfen antisemitischen Oels getränkt ist. Wir wollen durchaus keinen Judenhaß und keine Judenhatz: was wir wünschen, ist lediglich volle Klarheit darüber, daß Judentum und Deutschtum heterogene Dinge sind, und daß der nationale Kampf ausschließlich von denen geführt werden kann, die deutschen Stammes und deutscher Art sind." Für Gesinnungsgenossen des Grafen Pückler mag dies richtig sein; für vorurteilslose, denkende deutsche Christen sind aber Judentum und Deutschland keineswegs heterogene Dinge, da man deutsche Sitten und deutsche Art mitunter weit eher und besser bei den Deutschen finden dürfte, die nicht arischen Stammes sind, als bei „Ariern", die durch die etwas reichlich über sie ausgegoffenen „Tropfen antisemitischen Oels" kaum geeignet erscheinen, das Deutschtum in einem Gebiete Zu vertreten, wo es von slawischen Elementen verdrängt zu werden droht und selbst nach der Meinung der „Deutschen Tageszeitung" die offizielle Politik „auf die Mitwirkung der jüdischen Mitbürger rechnet." Am 21. Dezember stand der seit einigen Monaten mit der kommissarischen Verwaltung der Bürgermeisterstelle in Schroda betraute Regierungsrefercndar lllrid vor dem Posener Schöffengericht unter der Anklage der Beleidigung. Er hatte eines Tages den Polizeisergeanten Lewandowski Zu sich ins Rathaus entboten, um ihn darüber zur Rede Zu stellen, daß er am Abend Zuvor bei einem kleinen Auflauf nicht ein gegriffen habe. Lewandowski entschuldigte sich damit, daß er gerade mit den Herren Holzbock und Gramse gesprochen und daher den Auflauf nicht bemerkt habe. Hie;rauf entgegnete Herr Hirtcx seinem Untergebenen: „Ach, was haben Sie mit den stinkigen Juden zu sprechen!" Das Posener Schöffengericht verurteilte Herrn lUrtct zu zwanzig Mark Geldstrafe. — Dazu bemerkt die „Berliner Zeitung": „Graf Bülom hat einmal erklärt, daß nach den Ostmmken nur erstklassige Beamte entsendet werden sollen. Ist Herr lllnci auch ein Erstklassiger? Den Polen wird er jedenfalls von der deutschen Kultur die gehörigen Begriffe beibringen." Daß Herr Referendar Ulrici wegen der Verurteilung zu 20 Mark Geldstrafe bis ans Reichsgericht gehen werde, um wegen der Feinsühl-gkeit seines Riechorgans völlige Freisprechung zu erzielen. ist kaum anzuuehmen, nachdem die Revision des Grafen Pückler gegen die über ihn wegen Beamienbeleidigung verhängte Geldstrafe von 50 Mark am 16. Dezember vom Reichsgericht ver-