Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 26 (sequence 7)
- Language
- German
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Jnl deutschen Reich. 26 tum." Wenige Tage später berichten die „Posener Neuesten Nach richten": „Die Anzeichen mehren sich, daß die OstmarkenpoliLik stark antisemitische Färbung annimmt. Erst vor einigen Tagen haben wir anläßlich der Verleihung der letzten Notariatsfteüen hervorgehoben, daß die Besetzung dieses Amtes nach fönfefj'toneKen Gesichtspunkten unter krasser Zurücksetzung älterer Anwärter jüdischen Glaubens erfolgte. Heute sind wir in der Lage, ein neues Pröbchen anzuführen. Bei dem hiesigen Königl. Regierungs-Medizinalkollegium besteht eine Kommission zur Prüfung von Apothekergehilfen, welcher zwei ordentliche Mitglieder und zwei Stellvertreter aus dem Kreise der hiesigen Apothekenbesttzer augehören. Zu den ordentlichen Mitgliedern zählte seit etwa fünf Jahren der Apothekenbesttzer I)r. Leischnitzer, zu den Stellvertretern feit länger als 20 Jahren der Medizinalrat Dr. Mankiewicz. Nach der vor kurzem regierungsseitig veröffentlichten Liste sind diese beiden Herren durch erst vor zwei Wochen nach Posen zugezogene Apothekenbesttzer evangelischen Glaubens ersetzt worden und zwar, ohne daß die bisherigen Mitglieder der Kommission auch nur vorher davon benachrichtigt worden wären. Da gegen die Person und Qualifikation oder nationale Haltung der letzteren nicht das geringste Vorgelegen hatte, was Anlaß zur Beschwerde gegeben hätte, so erscheint es nicht befremdlich, daß auch diese Maßnahme von der öffentlichen Meinung auf das „System Schönstedt" zurückgeführt wüd, welches jetzt auch auf anderen Gebieten Schule macht." Ein Softem, das man, gleichviel ob mit Recht oder Unrecht, nach einem Juftizminister benennt, sollte vor allem dadurch charakterisiert sein, daß es nach Recht und Gesetz entscheidet, nicht aber nach „Imponderabilien" sich richtet und von zufälligen oder künstlich erzeugten Strömungen im Volksleben treiben läßt; sonst kommt es in Gefahr, schließlich in eine Sackgasse zu geraten. Das wird zweifellos der Ausgang der Ostmarkeu-Polmk sein, wenn sie nicht zielbewußt wie die WirLschastspolitik des Grafen Posadowsky, sondern nur von dem Wunsche geleitet, dem Geschmack der Agrarier und mangelhaft besoldeter Beamten lder sogenannten arischen „Tschinowniks") zu entsprechen, planlos weitorgeführt wird. Das Programm dieser Kreise hat die „Deutsche Tageszeitung" am 25. Dezember mit den Worten dargelegt: „Unsere offizielle Ostmarkenpoiüik ist nicht im mindesten antisemitisch, sondern rechnet vielmehr mit der Stimmung und auf die Mitwirkung unserer jüdischen Mitbürger. Wir haben manchmal darauf hingewiefen, daß es geradezu spaßhaft wirkt, wie alles vermieden wird, was die Herren Israeliten