Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 25 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 2L denen decken, welche Graf Reventlow, der Provinzialvertretet des „Bundes der Landwirte", als Antisemit im Reichstage vertritt, noch Weniger mit denen Liebermanns von Sonnenberg, der bekanntlich nicht nur im Zirkus Busch, sondern auch im deutschen Parlament auf die Lachmuskeln der Judengegner erfolgreich wirkt. Wie derartige parlamentarische Heilerkeits-Erfolge zur Nacheiferung fast unwillkürlich verleiten, zeiaten einige seltsam an die Ltebermannsche Tonart erinnernden ministerielle Neuerungen, die die meisten konservativen Mitglieder des preußrschen Abgeordnetenhauses in der am 10. Dezember abgehaltenen Sitzung höchlichst ergötzten. Der freikonservaliven „Post" müssen sie aber nicht ganz unbedenklich erschienen sein, da sie erklärte, „die Ausführungen würden nur gewinnen, wenn der Minister auf den billigen orarorischen Erfolg verzichtet hätte." So unbedeutend diese rednerische Entgleisung auf den ersten Blick erscheinen mag, beweist sie doch, daß man aus der allen Anforderungen einer zeitgemäßen Politik entsprechenden Stellungnahme des Staatssekretärs Grafen Pojadowsky nicht etwa den Schluß ziehen darf, daß alle rückständigen Schwierigkeiten nahezu überwunden seien und nun auch in allen, einzelnen ministeriellen Ressorts die übertriebene Rücksichtnahme auf künstlich geschaffene Strömungen aufhören werde, die nur den innern Frieden im Reich und im Daterlande stören und den Aufschwung d-r Volkswohlfahrt hemmen. In bedenklicher Weise tritt diese traurige Erscheinung dort zu Tage, wo rückständige antisemitische Anwandlungen gerade das empfindlich schädigen, was man angeblich damit schützen will, das Deutschtum. Als kürzlich in Posen der Justizrat Salz nach 25 jähriger Anwaltszeit, Dr. jur. Hartwig aber nach nur einjähriger Anwalts- Praxis gleichzeitig zu Notaren ernannt wurden, schrieben die „Posener Neuesten Nachrichten": „Weit entfernt ist für Preußen die Zeit, in der Befähigung und Ehrenhaftigkeit allein für die Besetzung der öffentlichen Staatsämtcr die Entscheidung geben, veraltet und zum alten Elsen geworfen ist die Ansicht früherer Juftizminister, daß die jeweils ältesten Rechtsanwälte die Anwartschaft auf Ernennung zum Notar haben. Die Konfession, nur die Konfession allein entscheidet. Für den jetzigen Chef der Justizverwaltung ist es ein entsetzlicher Gedanke, daß die Mehrheit der Notare in einer Stadt jüdischer Konfession sein könnte. Das „Berl. Tagebl." bemerkte dazu: „Und da verlangt die Regierung von der fortgesetzt in so eigenartiger Weise als „gleichberechtigte" Bürger behandelten jüdischen Bevölkerung der Ostprovinzen Arbeitsfreudigkett in allen öfstrttlrchen gemeinnützigen Aemtern und Unterstützung im Kampfe gegen das Polen-