Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 24 (sequence 5)
- Language
- German
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n Im deutschen Reich. Hand zur Beglückung der Leute haben, die ihre Vortragsversammlungen besuchen. Wo sie damit Erfolge erzielen, wird der Aufenthalt den freisinnigen Christen und besonders den jüdischen Mttbürgern vergällt, der ohnehin bereits vorhandene Zug der „Intelligenz" nach der Großstadt verstärkt und durch den Wegzug fteuerkräftiger Bürger die Last der ZurüMeibenden außerordentlich vermehrt, der Grundbesitz entwertet, die Arbeitsgelegenheit für die ärmste Bevölkerung aber wesentlich vermindert. An die Stelle gemütlichen Verkehrs der bürgerlichen Kreise tritt eine leidenschaftliche politische Kannegießere:, und nur das Wirtshausleben kommt zum Nachteil des Familienlebens in Flor. Derartige Wahrnehmungen lassen schon jetzt vielfach deutsche Landwirte daran zweifeln, ob ihre besonderen Jnterefsen durch die Verbrüderung des Bundes der Landwirte mit den radikalen Antisemiten irgendwie gefördert werden können. Am 6. Dezember hat im Hotel Kübn in Könitz eine von dem Bezirksvorsitzenden Beyrich - Zandersdorf geleitete Versammlung des Bundes der Landwirte stattgefunden, in der ein Herr Hut aus Berlin den Vortrag gehalten und u. a. folgendes geäußert haben soll: Gerade zur Zeit der Wahlen sei es notwendig, daß die Vertreter des Mittelstandes treu zusammen hielten, damit Männer in den Reichstag kommen, die man zur Erhaltung alles dessen, was jedem Deutschen heilig sein müsse, gebrauchen könne. Natürlich dürfe es kein Antisemit sein. Die antisemitische Partei hätte bei den letzten Reichstags wählen die Wähler der arbeitenden Klasse aufgehetzt gegen die Besitzer, so daß es, wenn solch ein Mann seinen Einzug in den Reichstag halte, für den gesamten Mittelstand von vornherein schlecht bestellt sein würde. Der Bund der Landwirte hänge sich weder an die Rockschöße der Konservativen, noch mische er sich in den Streit der Konfessionen. Er huldige dem Ausspruche Friedrichs des Großen: „Jeder möge nach seiner Fa^on selig werden." Die antisern ttsche Bewegung halte er für zu einseitig. sie sollte im jetzigen Zeitalter nicht mehr betrieben werden. Was sie hervorbringe, gereiche der Allgemeinheit zum Unheil, das hätten die Unruhen in Könitz seinerzeit deutlich gezeigt, die lediglich durch antisemitische Hetzereien zustande gekommen wären. Man dürfe die Israeliten um ihres Glaubens willen nicht hassen, das sei nicht „edel und mt* im Sinne Goethes, und dadurch zeichne sich die antisemitische Bewegung vor allem aus. In entgegensetztem Sinne soll sich aber der Redakteur Hartmann in einer am 5. Dezember in Schlochau abgehalt^nen landwirtschaftlichen Versammlung geäußert haben. Man kann es der ^Staatsbürger-Ztg." nicht verdenken, wenn sie darauf hinweist, daß tolerante Anschauungen sich nicht mit