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Im deutschen Reich · 1905-01-01 · Heft 1 (Januar 1905) · p. 23

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 1 (Januar 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-01-01
Page
23 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 23 in wütenden Ausfällen gegen seine Wirtschaftspolitik ergehen. Wie preußische Antisemiten über eine der-Entwickelung der neuzeitlichen Verkehrsverhältnisse entsprechende Politik denken, konnte man einer Aeuhenmg entnehmen, die dem antisemitischen Abg. Fröhlich aus Potsdam entschlüpfte, als er in seiner Befürwortung der obligatorischen Versicherung der Handwerker sagte: „Wenn ich schon das Wort „Intelligenz" höre! „Intelligenz" kann man mit „Klugheit" und „Schlauheit" übensetzen. Klug ist der Deutsche, schlau ist der Jude!" Die Antisemiten vom Schlage des Herrn Fröhlich sind wenigstens so schlau, sich einen Anhang bei Leuten zu schaffen, die weder schlau noch klug sind, besonders bei solchen, die nie alle werden. Gäbe es deren nicht viele in Dcutschland, dann würden nicht aufreizende Reden bejubelt werden, wie sie z. B. kürzlich Redakteur Döring in einem Berliner Parochialvereine gehalten hat. Er sprach von den kapitalkräftigen Gewerbetreibenden, die „wie Tiger auf ihre Mitmenschen losgelassen würden", wobei er gewiß nicht an die Einbrecher dachte, die Graf Pückler gegen die Juden loslafsen wollte; er Zeterte gegen die unchriftlich geleiteten „jüdischen Warenhäuser", wobei er weislich verschwieg, daß besonders die Gewerbetreibenden der Provinz den größten Schaden durch riesenhafte Berliner Versandgeschäfte erleiden, in denen strengchristliche Besitzer zwar gern von jüdischen Fabrikanten Waren beziehen, aber beileibe keine jüdischen Angestellten in ihrem Betriebe dulden. Er verwies auf die vom Staate aus dem Post- und Eisenbahnwesen erzielten großen Ueberschüsse, die leider nicht Zur Verwendung einer Aufbesserung derBeamtengehälter benutzt würden. Eigentümlich mußte es berühren, daß er an die Behauptung, daß fremde Wucherer den Bauernstand ausscrugten, den Satz knüpfte: „Ein Blick in die Auswandererhallen in Hamburg lehrt uns mehr, als Bände sprechen können." Der Blick müßte Herrn Fröhlich, wenn er ein Herz hätte, traurig stimmen und belehren, daß diese Unglücklichen für fremde Schuld büßen, daß sie blutarm ein Land verlassen, in dem die von den schwelgerischen Großgrundbesitzern und fanatischen Popen ausgesaugten und verdummten Bauern schon so glücklich sind, wie die deutschen Antisemiten auch den deutschen Sandmann und Handwerker macken würden, wenn ihnen die Staatsleitungen völlig freie Hand ließen. Die judenfeindlichen Agitatoren haben in den großm Städten kein Glück, weil dort die von Herrn Fröhlich aus Potsdam nicht ohne Grund gehaßte „Intelligenz" der breitesten Volksschichten ihr Gaukelspiel vereitelt; aber in vielen kleinen Städten und in Dörfern leistet ihnen der dort meist vorhandene Kastengeist Vorschub, so daß sie freie

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