Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Graf Pückler, z. Z. der einzige Vertreter des wahren Deutschtums
- Date
- 1905-01-01
- Page
- 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Graf Pückler, z. Z. der einzige Vertreter des wahren Deutschtums. 5 werden. Wenn aber in kleinen Städten und Dörfern unter der einfachen Bevölkerung, die vielleicht nicht die „bildliche Ausdrucksweise" versteht, ein derartiges mit Aufreizungen gespicktes Blatt zirkuliert! Meinen Sie nicht, daß möglicherweise die „kräftigen Arme und Fäuste" der Bevölkerung unter Verkennung des tatsächlich Gewollten „das Fell juckend" machen? Damit müssen Sie rechnen, und dies ist eben eine Aufreizung. — Graf Pückler: Ich halte es für kein Unglück, wenn mal ein Jude ein bißchen Keile kriegt. — Vors.: Vorläufig leben wir noch in einem geordneten Staate und in Verhältnissen, welche derartiges nicht zu« lassen. — Graf Pückler: Ich bin Volksführer und Demagoge. Weshalb sind die Behörden nicht eher vorgegangen? Jetzt ist es zu spät, die Bewegung gegen die Juden ist sitzt zu mächtig, und großen Volksbewegungen muß sich der Staat anpassen. — Vors.: Sie denken also: Ihr Behörden tut mir ja rnckts; als ich mit der Hand schlug, habt Ihr mir nichts gesagt, dann kann ich jetzt mit dem Knüppel schlagen, und Ihr dürft mir auch nichts sagen! Die Verlesung der übrigen Reden nimmt mehrere Stunden irr Anspruch. Bei einer besonders scharfen Stelle fragt der Vor * sitzende: Wollen Sie dies alles für harmlose Versammlungsscherze erklären? — Angekl.: Ich bin doch bei Reden, die noch viel schärfer waren, wiederholt freigesprochen worden; ein paarmal habe ich kleine Geldstrafen erhalten. Ich durste also annehmen, daß die Behörden meine Bestrebungen sanktionieren. Die Behörden ließen mir doch vollständige Freiheit, und auch die Polizei- Offiziere find mir stets sehr entgegengekommen. So etwas sind doch nur Versammlungsscherze, ohne die ein Dolksredner nicht auskommt. Das gehört nun 'mal zum Geschäft! — Vors.: Ein gewissenhafter Vollsredner sucht das Volk emporzuzieben; ein Demagoge spekuliert aber auf die niedrigsten Instinkte. — Angekl.: Wenn man so viel redet, dann geht die Karre auch mal durch! Da muß doch die Behörde etwas Rücksicht nehmen bei einer so großartigen Bewegung! — In einer Rede heißt es: „Kampf gegen die ganze Judenbaude bis aufs Messer!" „Wir schmettern die Lümmel zu Boden, daß ihnen die Knochen im Leibe brechen!" „Wenn ein Jude an einem Neubau vorbeikommt, dann möge sich der Maurer daran erinnern, daß die Steine nicht blos zum Bauen da sind!" — Angekl.: Das sind doch nur Veisammlnngsscherze! —- Vors.: Ich danke für solche Scherze! Denken Sie mal, wenn Sie nun Jude wären, dann würden Sie solche Dinge wohl kaum als Scherz auffassen! — Angekl.: Ich wollte mit solchen Versammlungsscherzen die Leute nur anfeuern,