Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Berlin / J. P.
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 672 (sequence 6)
- Language
- German
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672 Im deutschen Reich. Sedlatzek. Dem Grafen Pückler wurde aber der unerläßliche Lorbeerkranz überreicht. Die „Freie Deutsche Presse" schreibt: „Gegen die Pückler- Jnterpellatton der Deutschen und der Freisinnigen Volkspartei gefällt sich das Organ des Herrn von Gerlach in gezwungenen Quengeleien, die sich gegen die Bezugnahme auf § 130 des Strafgesetzbuchs wenden und es so darzustellen suchen, als ob durch diese Bezugnahme der Mißbrauch dieses Paragraphen im Sinne der Reaktion gutgeheißen werde. Davon kann selbstverständlich keine Rede sein. Die Beseitigung oder Beibehaltung des § 130 kommt hier gar nicht in Frage. Es handelt sich vielmehr darum, ob das Strafgesetzbuch für alle Bekenntnisse und alle Klassen der Bevölkerung gleiche Geltung hat oder außer Kraft bleiben soll bei den schwersten Ausschreitungen gegen Staatsbürger jüdischen Glaubens. Wenn aber Herr v. Gerlach die Bezugnahme auf § 130 für „nicht glücklich" hält, dann mag er doch einen anderen Paragraphen nennen, der besser zutrisst auf das Treiben des Grafen Pückler. „Mit leeren Redensarten ist gegenüber solchem Unfug nichts getan." Dem „Verband für Statistik der Juden" ist es nach langwierigen Verhandlungen über die Beschaffung der pekuniären Mittel dank den Bemühungen seines Kuratoriums, an dessen Spitze j Sanitätsrat Dr. Maretzki und Geh. Sanitätsratvr. Blumenthal stehen, gelungen, die von der Plenarversammlung in Aussicht genommene Errichtung eines ständigen Bureaus für Statistik der Juden zu verwirklichen. DaS Bureau, das seine Geschäftsräume in Berlin-Halensre, Westfälische Straße 46, hat und von 0r. Arthur Ruppin geleitet wird, ist seit dem 1. Oktober 1904' in Tätigkeit und hat neben anderen Aufgaben die Bearbeitung des neuen Jahrgangs des „Statistischen Jahrbuchs des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" und eine Untersuchung über den Anteil der Juden am Schulwesen in Preußen in Angriff genommen. Das Bureau wird (voraussichtlich schon vom l. Januar 1905 ab) eine „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" herausgeben, die neben monographischen Abhandlungen alle über die Juden in'den einzelnen Ländern veröffentlichten stattstischen Daten enthalten und auf diese Weise ein Archiv für die Statistik der Juden, sowie ein Mittel zur Vorbereitung der angestrebten Demographie und Statistik derGesamtjudenheit bilden soll. Die Errichtung eines fachmännisch geleiteten Amtes für die Statistik der Juden stellt einen bedeutsamen Schritt zu einer genauen Erforschung der sozialen Verhältnisse der Juden dar.