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Im deutschen Reich · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. 668

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
Berlin / J. P.
Date
1904-12-01
Page
668 (sequence 2)
Language
German
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668 Im deutschen Reich. gönnt sein, auch ferner segensreich und allgemein hochgeschätzt zu wirken — ad raultos annos! In der medizinischen Sektion der „Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur" hat kürzlich Geheimrar Prof. von Strümpell seinem Freund? und Lehrer, dem verstorbenen Professor Karl Weigert einen längeren Nachruf gewidmet, in dem er nicht nur die Verdienste Weigerts um die Wissenschaft hervorhob, sondern auch seinen trefflichen Herzenseigenschaften den Zoll der Verehrung darbrachte. Cr kennte es sich aber nicht versagen, die Leipziger Fakultät gegen den ihr vielfach gemachten Vorwurf zu verteidigen, daß sie aus „rein konfessioneller Engherzigkeit" die Ernennung Weigerts zum Nachfolger Cohnheims an der Un versstät verhindert habe. Wie das sächsische Ministuium über die Sache dachte, wisse er nicht. Die Bedenken gegen seine Ernennung hätten sich zum Teil auf die Eigenartigkeit seiner Lchrbcgabung bezogen. Weigert sei kein guter Lehrer für Anfänger gewesen; die Selbständigkeit seiner pathologischen Anschauungen habe ihn mehr für die Unterweisung der bereits fortgeschrittenen älteren Schüler geeignet gemacht. Damit hat Herr Geheimrat von Strümpell die Leipziger Fakultät kaum von dem Vorwurf der Engherzigkeit gereinigt; denn die Bedenken, welche er ihr unterstellt, hätten gegen die Dozentur überhaupt, nicht aber gegen ein Ordinariat erhoben werden können. Die bedeutendsten Universitätslehrer sind überhaupt nicht „für Anfänger"; um nur einen für viele zu nennen: hat e:wa jemand daran gedacht, Helmholtz das Ordi ariat zu. versagen, der selbst für Vorgeschrittene schwer zu ve stehen war! Der wahre Grund für die Zurücksetzung Weigerts war zweifellos sein Religionsbekenntnis, das er nicht ändern wollte. Daß die Biographen -es verdier stvollen Gelehrten um die für die deutsche Wissenschaft beschämende Tatsache, daß nach dem Tode Cohnheims für einen der hervorragendsten Pathologen seiner Zeit kein akademischer Wirkungskreis sich fand, mehr oder minder sche r herumgegangen sind, macht die Sache nicht besser. Darob von einem Kenner der Vorgänge, die sich damals hinter den Kulissen abspielten, zur Rede gestellt, machte Professor Lubarsch, einer der Biographen Weigerts, zur Entschuldrgung des damaligen Verhaltens der Leipziger Fakultät geltend, daß „es in Sachsen, ebenso wie in Mecklenburg und Braunschweig ausgeschlossen war und noch ist. die Anstellung eines Juden zum besoldeten Staatsbeamten durchzusetzen; in Mecklenburg wie auch in Braunschweig teilen die Katholiken dieses Schicksal." „Deswegen", fuhr Lubarsch fort, „waren auch die Versuche von Ernst Leberecht Wagner (seiner Zeit ein sehr bekannter Kliniker), der beim König

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