Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Berlin / J. P.
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 669 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316726--13185-2334319- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 669 mehr galt als die gesamte Leipziger Fakultät, durch persönliche Vorstellungen für Weigert etwas zu erreichen, erfolglos." Dem zum außerordentlichen Professor an der Greifswalder Universität ernannten bisherigen Prioatdozenten der Berliner Universität, Dr. Adolf von Wcnckstern, widmet die „Staatsb-Ztg." folgenden Nachruf: „Mit ihm verliert die nationale Bewegung Berlins einen ihrer fähigsten und tatkräftigsten Vorkämpfer." Ein Dimissoriale cum laude von Sr. Magnificenz, Herrn Bruhn! Am 2. Dezember erörterte der ehemalige Hofprediger Stöcker in einer in der Tonhalle abgehaltenen Versammlung die Frage „Soll die deutsche Jugend sozialdemokratisch oder christlich.sozial werden?" Er meinte dabei, zur Gewinnung der Jugend gehöre die Freudigkeit, die den Sozialdemokraten durchweg abgeht. Auch der Humor fehlt ihnen, der deutsche Humor, das Spiel des fröhlichen Herzens und des guten Gewissens. Witz besäßen sie, nämlich orientalischen Witz. Das schlimmste an der sozialdemokratischen Bewegung sei, daß sich btc Arbeiter von Juden um ihren Glauben, ihren Geist und ihren Charakter bringen ließen, ohne es zu merken. Die Sozialdemokratie sei rein jüdische Mache. Marx und Laflalle seien Juden gewesen. Daß auch der geistige Urheber der konservativen Partei, Schlesinger alias Stahl, ein getaufter Jude war, berührte der teure Gottesmann mit dem ihm eigenen Takte natürlich nicht, ebenso wenig, daß sein treuester Verehrer, Graf Puckter, mit den Sozialdemokraten liebäugelt und um die Freundschaft Bebels geworben hat. Der Redner warf zwar die Frage auf, ob sich der abenteuernde Singer zum Führer der deutschen Jugend eigne, vermied aber jede Anspielung auf die Freunde seines verstorbenen Freundes Hammerstein, wohl um nicht durch die Erinnerung an ihren Haß den „orientalischen Witz" herauszufordern, der allerdings nahe genug lag. „Ein markiges Schlußwort des greisen Volksredners", schreibt die „Staatsbürger-Ztg.", „beschloß den Abend." Der antisemitische Etatsredner der sogenannten „Wirtschaftlichen Vereinigung", Liebermann von Sonnenberg, hat im Deutschen Reichstage bei Besprechung der Finanzlage den russischen Juden Feigheit vorgeworfen, die ins Ausland flüchten, um sich nicht für ihre Henker abschlachten zu lassen. Er hat aber auch sich den abgestandenen Witz gestattet, zum soundsovielten Male eine Wehrsteuer für deutsche zu empfehlen, und dabei der Wahrheit durch die Behauptung ins Gesicht geschlagen, daß die Judenschaft damit einverstanden sein würde, wenn man sie vom Militärdienste befreite. Daß es mancher deutscher Mann jüdischen Glaubens weder als eine Ebre noch als ein Vergnügen betrachten würde, unter einem Offizier, wie Herrn Liebermann