Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 664 (sequence 12)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. M4 zwischen Katholiken und Israeliten ein gutes. Auch in Paderborn ist das Verhältnis zwischen Israeliten und Katholiken nicht schlecht. Zn Münster, wo man es mit einer gut organisierten und disziplinierten Zentrumspartei zu tun hat, stimmten die Israeliten mit dieser; in Paderborn, wo die Zentrumspartei zerfahren und undiszipliniert ist, nahmen die Israeliten, was die Zentrumspartei ihnen bot, und gingen dann munter mit den Liberalen gegen die Zentrumspartei. Das zeigt so recht, wie gering man die Aktionsfähigkeit der Paderborner Zentrumspartei auf der anderen Seite einschätzte." Daß bei den Stadtverordneten - Wahlen in der sächsischen Hauptstadt diesmal der immerhin von Mut zeugende Versuch gemacht wurde, den „Anlisemilen-Klüngel" zu brechen, Verdi nt Erwähnung, wenn auch der Versuch mißlungen ist, weil die Furcht vor der Sozialdemokratie auch viele vorurteilslose Männer dazu brachte, für den antisemitischen Kompromiß - Kandidaten zu stimmen, lieber die Art und Weise, wie die Dresdener Antisemiten bei der Aufstellung ihrer Kandidaten-Lifte verfahren sind, berichtet die „Dresdener Zeitung": „Während man Herrn Flockemann aus der Liste beläßt, ist der frühere Stadtverordnete Schröder gestrichen, weil er freisinnig ist, der Konservative Herr Weitzmann, weil er gegen die Umsatzsteuer gestimmt hat, Herr Dr. Scheven, weil er dem Kollegium oft unbequeme Wahrheiten sagt, und endlich auch der liberale Dr. Schubert. Alle diese Herren sind durch stramme Reformer ersetzt worden . . . Vor der Wahl hatte in Dresden eine Versammlung des nationalliberalen Wahlvereins stattgefunden, in der der Verein einstimmig beschloß, diesmal sich auf kein Zusammengehen mit den Reformern einzulaffen. Wie der „Frankfurter-Ztg." aus Dresden berichtet wurde, übte in der Versammlung der Vorsitzende des Vereins, Landrichter Dr. Heinze, der im vorigen Jahre von den Reformern ohne feinen Willen und gegen die Stimmen feiner Parteifreunde zum Stadtrat gewählt wurde, um ihn aus dem Stadtverordneten - Kollegium auszuschalten, eine geradezu vernichtende Kritik an der hiesigen Stadtverwaltunz und an der brutalen Herrschaft der Antisemiten in ihr. Es heißt in dem Berichte wörtlich: „In allen Kommissionen und Ausschüssen haben sie ihre Vertreter, um dort zu kontrolieren, wie die einzelnen den Jntercffen der Reformer dienen. Die größten Ehrenämter der Stadt werden nicht nach Kenntnissen und Fähigkeiten verteilt, sondern nur darnach, wie die Vergebung den Reformern Nutzen schafft. Selbst im Stadtrat und bei Fragen, die nur deffen Entscheidung zustehen, haben die Reformer entscheidenden Einfluß. Stadträte, die Hervorragendes für die Stadt leisten, werden einfach