Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 660 (sequence 8)
- Language
- German
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600 Im deutschen Reich. und Freundschaft zu leben mit den anderen Völkern der Erde." —7 Aehnliches wäre auch für das Deutsche Reich „von höchster Wichtigkeit", damit wir nicht nur „unter einander, sondern auch mit den andern Völkern der Erde in Frieden und Freundschaft leben!4' Daß die staatsbürgerliche Gleichheit und die Freiheit des Bürgers in einer streng verfassungsmäßig verwalteten Monarchie mindestens ebensogut wie in dem nordarmrikanischen Freistaat gewahrt werden kann, ist außer Zweifel. Der Erfolg der sozialen Reformen in Deutschland hat bewiesen, daß in Monarchien auf solchen Gebieten Großes geleistet werden kann, was mit hergebrachten Traditionen nicht ganz übereinstlmmt, aber - nur das monarchische Sraatswesen volkstümlich macht und festigt, während der Versuch, es auf morsche Säulen veralteter Traditionen zu stützen, niemals glücken wird. Gelangt man im Eisenbahnwesen schon vielfach dazu, die überflüssige und unrentable erste Wagenklasse abzuschaffcn, erstrebt man vielfach auf erziehlichem Gebiete die Einheitsschule, so wird auf die Dauer auch nicht ausbleiben, daß auch in der Staatsverwaltung mit der Dreiklafsen-Differenzierung der Staatsbürger aufgeräumt wird. Wer dazu mit verhilft, ist ein besserer Freund des Mittelstandes als jene antisemitischen Wortführer, die nicht nur eine halbe Million deutscher Staatsbürger rechtlos zu machen streben, sondern auch die Rückkehr zu jenen schmählichen Abhängigkeitsvcchältnissen anbahnen, in welchen im Mittelalter sich Bürger und Bauer den privilegierten Ständen gegenüber befanden. Der deutsche Dichter Arndt, den die Anlijemiten seltsamerweise für sich in Anspruch nehmen, hat einst mit der Bezeichnung „Knechte, die uns zu Knechten machen wollen" Leute gebrandmarkt, die vor hundert Jahren nichts Schlimmeres getan haben, als jene, deren Werk die „Volksströmungen" sind, welche die Verwaltung angeblich an einer gleichmäßigen Beurteilung deutscher Staatsbürger verhindern. Sie haben ja die Verhältnisse wesentlich mit veranlaßt, welche es auch dem befähigtsten Sohne eines freisinnigen christlichen Handwerkers nahezu unmöglich machen, in einem Elite- Regiment Offizier zu werden, oder in der Verwaltung eine Anstellung zu erlangen, um die sich junge Edelleute oder durch hohe Protektion ausgezeichnete Bürgersöhne gleichzeitig bewerben. Dazu genügt längst nicht mehr der Taufschein, sondern die Zugehörigkeit zu einem studentischen Korps, oder doch irgend ein Zeugnis über einen bisher durchaus exklusiven Verkehr. Insofern ist der Fall typisch, daß ein Reserveosfiziers - Aspirant zurückgewiesen wurde, weil seine Mutter kein gutes Deutsch spricht und er selbst bei einem jüdischen Kaufmann gelernt hat. Solche Vorkommnisse erklären, aber sie