Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 655 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 655 halb, weil die Aufrichtigkeit der Buhe doch nur daran erkannt wird, daß man fernen Wandel ändert, beschloß H?rr B^uhn statt der Losung der „Staatsbürger-Z itung", rwt der so viel gejü digt worden st, „Fw Wodlfavrt, Freibeit und Recht" die Devne eimütiakeit und nationale Polrtik" aufzust'cken. Aber er trennt sich nicht von der alten Losung, ohne sie nochmals zu rechtfertigen und dabei preist er als Ideal die Volkswohlfahrt, die doch sicher rirchtgedeiben kann, wenn man einem wohlgesinnten und inteUigenten Bestandteil des deutschen Volkes die Zugehörigkeit zur Nation abstceitet. Er erklärt die Forderung der Freiheit für einen irrenden Gruntsatz und sagt: „wir verlangen für alle Stände und Berufe möglichste Freiheit und Wahrung konfiitutiomllei R'chte", dabei hat aber fein Blatt seit Jahren die deutschen Bürger jüdischen Gaubens der bürgerlichen Freiheit verlustig zu machen gemärt; es hat damit zugleich die konstitutionellen Rechte, durch Verfassung und Gesetz gewänrleistere Rechte schnöde angetastet. Er schlägt sich mit den eigenen Worten, die in seinem Munde seltsam genug kling n: .Diejenigen, die das Wort Freiheit im Munde führen, find deren schlechteste Anwälte.'' Er spottet auch seiner selbst und weiß nicht wie, wenn er schreibt oder schreiben läßt: .Wir verlangen eine von christlchm Grundsätzen geleitete Staatsverwaltung, ohne damit jedoch kirchlicher Unduldsamkeit oder konf sstonellem Hader das Wort reden zu wollen." Das erklärt ein Blatt, dessen ga> ze Existenz davon abdängt. daß es weiter denen nach dem Munde redet, die den konfeisiorullen Hader, die religiöse Unduldsamkeit als ibr L benselcment betrachten! Es gab eine Zeit, in welcher die Antiremiten sich darauf versteiften. sich als .Stützen von Thron und Altar" auszugeben und konfe'vatioe Politik zu treiben oder doch zu unterstützen. Das Geschäft muß n.cht rentiert haben, denn aus dem Namen „freimütiges Tageblatt", sowie auS den in Mrttelstandskreijen von den Herren Bruhn und Genossen gehaltenen Reden ist unschwer zu erkennen, daß jetzt eine scharfe oppositionelle Haltung markiert werden soll. Mehrere sozialdemokratische Abgeordnete haben in der am 2. Dezember im Deutschen Reichstag starrgehabten Debatte über den „unlauteren Wettbewerb", die Act, wie die Antisemiten die „Mittetstandspolirik" betreiben, ungemein scharf aber tr,ff nd gekennzeichnet. Der Abg. Frohme cntgegnete dem denttchrwiialen Abg. Raab: „Es gibt nicht wenige Erzdemagogen, die ganz genau wissen, daß sie den Hrndwerkern. den Kleinbauern blauen Dunst vormachen, um im Trüben zu fischen, namentlich um in Diesen Kreisen bei den Wahlen auf dem Wege des unlauteren Wettbewerbes Geschäfte zu machen. Bei