Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-12-01
- Page
- 654 (sequence 2)
- Language
- German
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654 Im deutschen Reich. Hömel leben, daß also der Versuch einer gewaltsamen Lösung der Judenfrage in Deutschland mißglücken dürfte. Im Anschlüsse an die erwähnte Bruhn',che R-de äußerte sich darüber der Redakteur der „Staatebürger-Z rtung". Kammer, noch offener als Bruhn, indem er sagte: .Gewalt wü de immer wieder Gewalt herausfordern, und selbst da, wo das Volk dre berechtigteste Ur'ache hatte, würde gegen Bajonette doch nichts erreicht werden können, wie wir es in Jnrsbiuck gesehen haben. Also muß es unser Be-stand uns schon sagen, wenn uns unser Patriotismus und unser monarchisches G'fühl nicht schon längst zu der Überzeugung gebracht hätte, daß eine Losung der Judenfrage nur auf gesetzlichem Wege erfolgen kann." In der ersten Generalversammlung des „Deutschen Milteistandstages", die am 26. November in der Berliner „Tcnballe" ab reharten wurde, ist aber von dem „monarchischen Gefühl" nur soviel bemerkbar geworden, wie bei solchen Gelegenhesien, zumal in Anwesenheit von Vertretern versch ebener Ministerin, eben unerläßlch rst. Bei einzelnen Rednern erschien dieses Gefühl jedoch sehr verk'ausuliert. So erklärt der Bäckermeister Köhne-Jena: „Wenn es so weiter geht, dann werden die nächsten Wahlen zeigen, ob wir noch die reichstreuen Wähler sind, die wrr bisher immer waren." Herr Wilhelm Bruhn hielt eine im Ganzen ziemlich farblose Rede, erzielte aber schließlich doch stürmischen Beifall, als er in Anwesenheit des Gehermen Regrerungsrats Spielhagen, der den Staatssekretär Grafen Posadowsky zu vertreten hatte, die Worte hinausfchmerterte, Graf Posadowsky verstände vom Handwerk absolut nichts. Obgleich Bruhn wohlweislich bei dieser Gelegenheit den Antisemitismus nur schwach markierte, hielt es doch der S kreiär Hartenstein-Hildesheim für angezergt, dazu aufzufordern, dre konfessionellen Unterschiede in dem Kampfe für die Interessen des Mittelstandes zu vergessen und vor allem den Kampf gegen die Belastung des Mittelstandes mit der Arbeitslosenversicherung aufzunehmen. Aber Bruhn scheint doch auch selbst zu der Ueberzergung gelangt zu sein, daß mit der „Judenfrage" allein kem Geschäft mehr zu machen ist. und daß er sich noch nach einem neuen Lockartikcl Umsehen müsse. Am Buß- und Bettage hatte sein Blatt bereits das Bild deS „alttestamentanfchen Bußprophiten Jeremias" als ein ergreifendes bezeichnet und anknüpfend an das Wort des Propheten „O Land. Land, Land, höre des Herrn Wort?" hatte er bitter das Hasten nach Reichrümern getad.lt, „bei dem man sich täglich gegen Gott und seine Mitmenschen vergeht", aber auch die Not und Verzweiflung beklagt, „die nur zu oft zu erschütternden Schreckenstaten führt". Wohl des-