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Im deutschen Reich · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. 653

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-12-01
Page
653 (sequence 1)
Language
German
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6SS Umschau. •SjfcMcnn sich das Jahr zum Ende neigt, dann pflegt man unwillkürlich nicht nur das im Laufe der vc> flosseneu Zeit Erreichte zu überdenken, sondern auch für die Zukunft Pläne zu machen und wichtige Entfchlüffe zu fassen. So hat denn auch kürzlich in einer vom sogenannten „Deutschen Mittclstandsbund" (bisher „Deutscher Antisemitenbund") cinberufenen Versammlung der judenfeindliche Reichstagsabzcordnete Bruhn in längerer Rede das Thema: „Was wollen wir Antisemiten?" erörtert. Er hat dabei zunächst zugegeben, daß über die Mittel zur Losung der „Judenfrage" in den antisemitischen Kreisen jetzt eine noch größere Unklarheit als früher obwalte. Aus diesem Grunde fühlte der frühere Drahtzieher jenes Grafen Pückler, der bekanntlich mit Hilfe der „roten Kerle" den gordischen Knoten gewaltsam zu zerhauen gedachte, sich doch gedrungen, öffentlich zu erklären, daß „die Reformpartci" und mit ihr der „Deutsche Antisemitenbund", sowie wohl die allergrößte Mehrheit aller Antisemiten auf dem Standpunkte ständen, „eine Lösung der Judcnfrage nur int Rahmengesetzlicher Maßnahmen zu erstreben, da Gewaltmittel der Bewegung nur schaden könnten." Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen suchte er damit zu begründen, daß er das für nichtantisemitische Augen kaum erkennbare Vorhandensein eines gefährlichen Einflusses des Judentums auf das Staatslcben schlankweg behauptete und seine gläubigen Zuhörer durch die kühne Behauptung gruseln machte, das deutsche Vaterland könne, wenn er und seine Freunde dies nicht verhüten würden, vollständig in geistiger, wirtschaftlicher und politischer Beziehung unter die Herrschaft des Judentums verfallen. Daß dieser Appell an die Feigheit, der jetzt in ähnlicher-Weise, nur noch gröber, in dem „Bayrischen Vaterland", mehr oder minder laut aber auch in den Aeußerungen der übrigen judenfeindlichen Preßorgane und Redner heraustritt, eigentlich eine schwere Beleidigung des deutschen Volkes bildet, scheint Unzähligen gar nicht zum Bewußtsein zu kommen. Es ist ja gewiß sehr freundlich, w.nn jetzt auch das Gros der johlenden Pückler-Zuhörerschaft, der vor Gericht von den überwachenden Polizeibeamten bekanntlich das Zeugnis besonderer Vornehmheit erteilt wurde, rinsicht, daß wir Gott sei Dank! doch nicht in Kischinew oder

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