Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 614 (sequence 4)
- Language
- German
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614 Im deutschen Reich. dazu: „Die Staatsanwaltschaft scheint mit der Möglichkeit zu rechnen, daß Cohn dem Grafen Pückler begegnen könnte und daß dieser in ibin ohne weiteres einen ungetreuen Kasscnboten wittern und ihn fest, nehmen würde. Immerhin aber müssen wir aus allgemeinen Gründen gegen die Etablierung des Pückler-Kurses in den preußischen Steckbriefen aufs entschiedenste protestieren. Der Vermerk »Jude" als „besonderes Kennzeichen" ist ebensowenig passend, als wenn man schreiben wollte: „Katholik, Jurist, Raucher oder Schlittschuhläufer." Zn ihrer Nummer vom 4. November bringt aber die „Königsberger Hart. Ztg." zur öffentlichen Kenntnis, daß nach einer Mitteilung von zuständiger Stelle der Vermerk „Jude" durch das Versehen eines Bureaubeamten ohne Kenntnis des zuständigen Dezernenten der Staatsanwaltschaft unter der Rubrik „Besondere Kennzeichen" ausgenommen worden ist. Das Blatt stellt mit Genugtuung fest, daß damit die Angelegenheit ihre befriedigende Aufklärung und Erledigung gefunden hat. Die „National-Zeitung" hat am 25. September d. Js. nachstehende Zeitschrift des Herrn Rechtsanwalts Makower veröffentlicht: „Zur Polenpolitik bringt die „Nat.-Ztg." in Nr. 555 vom 24. September d. I. einen Auszug aus einem Artikel der „Nat.Lib. Corr.", in dem die in den Ostmarken fortschreitende Verminderung der Einwohner jüdischen Glaubens und die Ursachen dieser vom Standpunkt der staatlichen Polenpolitik zu beklagenden Erscheinung in sachkundiger Weise dargetan werden. Jener Artikel ist als Anzeichen dafür zu begrüßen, daß endlich, nach langem Zwischenraum, wieder die Einsicht zum Durchbruch zu kommen anfängt, wie der Staat, wenn er jene den Juden ungünstige Entwicklung in den Ostmarken fördert oder auch nur duldet, seine eigenen Interessen auf das erheblichste verletzt und kräftige Pferde hinter den Wagen spannt, der durch die Ansiedelungsgesetze und andere Maßnahmen nach vorwärts gezogen werden soll. Gerade weil jener Artikel in diesem Sinne begrüßt werden kann, ist vielleicht auch der Zeitpunkt gekommen, wo man wieder hoffen darf, auch mit dem Hinweis auf eine andere, in fccm obenerwähnten Artikel nicht genannte, aber wohl ausschlaggebende und durch einen Federstrich des Ministers des Innern behebbare Ursache jener Verminderung gehört zu werden. Diese Ursache liegt in der systematischen Verhinderung einer Einwanderung von Juden der östlichen Staaten nach Preußen, verbunden mit der polizeilichen Ausweisung solcher dennoch eingewanderter Juden und der Ablehnung ihrer Gesuche um Aufnahme als preußisches