Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 607 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 607 angelernt hat, wirklich deutsch ist, dürfte Deutschen, die etwas von G. E. Lessing gelernt haben, sehr zweifelhaft sein! Was deutsch ist und was nicht, darüber haben Leute, die sich stets bereit zeigten, sich mit erbittersten Feinden des Deutschen Reiches zu verbrüdern, wenn sie nur mit ihnen in Bezug auf den Judenhaß an einem Strange zogen, sicher kein Urteil. Wir haben keine Ursache ,uns darüber zu ereifern, daß sie auch den Begriff dessen, was christlich ist und was nicht, gründlich verwirrten. (Zs vergeht in Oesterreich kein Tag, an dem man nicht Gelegenheit hätte, zu erfahren, wie die Antisemiten mit den Worten „deutsch" und „christliche ein Spiel treiben, das unverkennbar nicht nur für die Juden gefährlich ist. Mitte Oktober hatte z. B. im niederösterreichischen Landtag der Landesausschuß die Begründung von zwei Stiftungsplätzen für „christliche" Hörer der Exportakademie beantragt. Da aber die Besorgnis entstand, es könnte dann ein getanfter Jude einen Stiftungsplah bekommen und nach Ansicht der Raffen-Antisemiten die Juden, die sich taufen lassen, noch gefährlicher sind, als die ungetauften, so wurde der Antrag gestellt, das Wort „christlich" in „deutsch" umzuwandeln. Dies schien wiederum nicht ganz sicher, der Wiffenschaft gegenüber, die doch mitunter sich hervorwagt, deshalb.wurde das Wort „christlich" in „arisch" umgewandelt. Dazu, daß in einem österreichischen Krönlande ein Beschluß gefaßt wird, der die Staatsgrundgesetze über den Haufen wirft, schwieg der Statthalter, Graf Kielmannsegg, wohl um sich nicht Luegers Ungnade zuzuziehen. Die Regierung, die derStatthalter offenbar nicht fürchtete, hat aber den ungesetzlichen Beschluß mittelbar schon beantwortet. Als in der Exportakademie die Hörer der allgemeinen Abteilung dem Sektionschef im Handelsministerium, Di*, von Rößler vorgestellt wurden, erklärte er: „Wir machen und werden in der Exportakademie nie einen Unterschied der Nationalität und Konfession machen." Bei der erwähnten Verhandlung im niederösterreichischen Landtage hatten sich die Abgg. Schneider, Bielohlaweck und Steiner in antisemitischen Aeußerungen überboten, waren aber nur von den Abgg. Blach, Strobl und v. Lindheim zurückgewiesen worden, während der Statthalter Graf Kielmannsegg sich genau so schweigsam verhielt, wie die berufenen Vertreter der deutschen Armee im Reichstage bei den antisemitischen Verleumdungen braver jüdischer Soldaten. Dies hat den Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Di. Alfred Stern, in der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes zu einer geharnischten Protestrede veranlaßt, die mit den Worten schloß: „Daß