Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 606 (sequence 10)
- Language
- German
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steuern sie sämtlich, unbekümmert um das Wohl und Wehe der Gesamtheit, auf ein Ziel los, das ohne die Zertrümmerung der ganzen jetzigen Staats- und Gesellschaftsordnung nicht zu erreichen ist. Aus diesem Wege ist die Judenfrage nur eine erste Etappe, die nationale und die religiöse Phrase nur ein Mittel zum Zweck. Wenn Gras Pückler nicht zurechnungsfähig sein soll, so gehört er nicht zu den harmlosen Narren, die man frei herumlaufen lassen kann, denn dieler Wahnsinn ist nicht nur ansteckend, sondern in diesem Wahnsinn ist auch Methode. Wenn er Unheil anrichtet, sind aber zumeist die dafür verantwortlich, die ihn für ihre Zwecke ausbeuteten und vor verdienter Strafe schützten. Ahlwardt, dem vermutlich das „fünfundzwanzigjährige Parteijubiläum" des ihm geistesverwandten Liebermann von Sonnenberg die Veranlassung gab, der Welt zu zeigen, daß er auch 25 Jahre im politischen Kampfe steht und die Ehrengabe der rassereinen Nationaldeutschen nicht dem v. Liebermann allein, sondern auch ihm anteilig zustehe, ist dieser Tage wieder in Berlin aufgctaucht. Er hat in Berlin in Kellers Philharmonie gesprochen über „25 Jahre meines politischen Lebens", und das Entree betrug 25 Pfg. Biel ist dabei nicht eingekommen, denn es waren nur etwa 100 Personen anwesend, auf welche der von Pessimismus durchhauchte Vortrag keinen sonderlichen Eindruck zu machen schien. Ahlwardt äußerte sich aber maßvoller als der konservative Professor vr. Heutig; er erklärt, eine tatsächliche Lösung der Judenfrage sei nicht möglich und die alte antisemitische Kampfesart nicht mehr am Platze. Es habe, keinen Zweck, einzelne Juden zu brandmarken und zu verfolgen. Der Kampf gegen das Judentum müsse mit gesetzlichen Verordnungen geführt werden, indem man die Juden ihrer Macht beraube. Das läuft offenbar auf die Kampfesweise Liebermanns hinaus, der sich schon früher zu diesem Zweck mit dem Bunde der Landwirte verbunden und diesem feine judenfeindliche Gesinnung erfolgreich eingeimpft hat. Der Bundesvorsitzende vr. Rösicke hat am 17. Oktober in Breslau in der Sitzung des Provinzial»Ausschusses des Bundes der Landwirte beklagt, daß insbesondere auf dem Gebiet des Handels und der kapitalistischen Beteiligung jüdische Auffassung und Art in weitem Maße bereits Eingang in die breiten Schichten des Volkes gefunden habe. Der SiegeSzug deS zersetzenden jüdischen Elements sei ein weit vorgeschrittener. Im Gegensätze zu der Bevorzugung des Vorsitzenden eines spezifisch jüdischen Zwecken dienenden Vereines betone gerade die Organisation des Bundes der Landwirte deutsche Auffassung und Art. Ob die Auffassung und Art, die Herr vr. Rösicke dem Antisemiten Liebermann von Sonnenberg aus BielScaftrnga