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Im deutschen Reich · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. 608

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-11-01
Page
608 (sequence 12)
Language
German
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608 Im deutschen Reich. die berufenen Faktoren zu alle dem schwiegen, daß keiner derselben im allgemeinen öffentlichen Interesse ein Wert der Entgegnung fand, drängt uns die Frage auf, ob wir rechtlos seien, ob die pöbelhafte Hetze gegen uns von regierungswegen sanktioniert werde, ob — wir wollen gar» nicht von feierlich beschworenen Staatsgrundgcsetzen sprechen — des Sanktuarium der Gesetzgebung und der öffentlichen Verwaltung in der Residenz unseres heißgeliebten, allverehrtcn Monarchen dazu mißbraucht werden dürfe, die feit so lange gegen uns betriebene Hetze fort und fort zu propagieren. Dagegen erheben wir laut und öffentlich Protest und wollen wir trotz allem und allein immer noch der Hoffnung Raum geben, daß derselbe an maßgebendem Orte nicht ungehört verhallen werde." Die bereits erwähnte Erklärung des Vertreters des Handelsministeriums hat bewiesen, daß der Protest nicht verhallt ist; die österreichische Regierung hat auch außerdem gezeigt, daß sie nicht solche Angst vor dem vr. Lueger und den andern antisemitische» Schreiern empfindet, wie der Statthalter von Niederösterreich; denn der von der christlich-sozialen Partei Wiens und Niederösterreichs geplante Fackelzug, der sich am Abend des 23. Oktober zu Ehren des 60. Geburtstages Luegers über den ganzen Ring zum Rathaus hätte bewegen sollen, wurde von der Polizei-Direktion unter Hinweis auf gesetzliche Bestimmungen verboten. Bei dem Feste, das am Abend vor dem Geburtstage im Wiener Rathause gefeiert wurde, dankte der Oberbürgermeister vr. Lueger nach dem Trinkspruch des klerikalen Prinzen Aloys Lichtenstein für die ihm erwiesenen Ehrungen und geißelte dann das Verhalten der Staatsregierung, wobei er sagte: „Es hat der hohen Regieruug gefallen, meinen Feinden zu gestatten, (Pfuirufe) unter Polizcischutz mich zu beschimpfen (Neuerliche Pfuirufe), eS hat ihr aber nicht gefallen, daß meine Freunde und Anhänger mich in der geplanten Weife ehren. (Stürmische Entrüstungsrufe). Ich weiß nicht, ob es politisch klug ist, aber ich füge mich in Demut und Geduld. (Rufe: Wir nicht! Das wird gerächt! Das darf man nicht vergcffen!) Bürgenneister Pr. Lueger (mit erhobener Stimme fortfahrend): Zwischen Fügen und Vergessen ist ein weiter Weg. (Stürmische Bravorufe.) Ich füge mick, aber vergessen werde ich nie. (Tosende Zustimmungsrufe und Ruse: Wir werden eS schon heimzahlml) Aber das eine kann ich hier sagen, aus meinen Bahnen wird es mich nicht reiße», ich werde, was da auch immer geschehen möge, rin treuer Diener meines Vatrlandes Oesterreich und des Erzhauses Habsburg-Lothringen bleibe»; daran ändert sich bei mir absolut nichts. Ich bin eS ja gewohnt,

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