Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 605 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 605 Berlin, dem schenke ich vier Taler und immer so weiter. Ihr könnt Euch also was verdienen, Ihr lieben Einbrecher von Berlin, also auf zum frischen und fröhlichen Einbrechen, auf zum Verhauen, auf zum Demolieren, auf zur schneidigen und zur kühnen Tat.- Der Artikel der „Voss. Ztg." schließt mit den Worten: „Wir haben dem nichts hinzuzufügen als die Bemerkung, daß diese Flugblätter wirklich in Berlin verkauft und verbreitet werden, wovon wir uns selbst überzeugt haben. Jeder Kommentar könnte die Wirkung dieser Kundgebungen nur abschwächen. Es genügt zu zeigen, was in Berlin möglich ist im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts." Dasselbe Blatt berichtet: „Wegen der hirnverbrannten Flugblätter des Grasen Pückler- Klein - Tschirne ist, wie wir erfahren, von der SLaatsanwalLschast am Landgericht I das Strafverfahren sowohl gegen den Grafen Pückler wie gegen den Inhaber der Druckerei H. Mitsching. Bernauerstraße 43, ein geleitet worden. Außer den beiden Flugblättern, die wir jüngst erwähnt haben, werden seit einigen Tagen noch zwei weitere, großenteils noch wüstere Flugblätter des Dreschgrafen verbreitet." In einem derselben heißt es: „Judenblut muß fließen, denn sonst wird in einigen Jahrzehnten Christenblut fließen, und zwar in ganz gewaltigen Strömen; darum auf zum Sturm! Der Moment zum Angriff ist fabelhaft günstig; die Behörden, die Polizei, die Schutzleute, alle sind auf unserer Seite; man wird Ihnen keine großen Schwierigkeiten machen, wenn Sie auch wirklich hin und wieder einen Juden ganz gehörig verhauen. Sollte wirklich einer oder der andere von Ihnen gefaßt werden, was ist denn da weiter! Ich habe ja auch gebrummt, und iw kann Sie versichern, etwas brummen ist ganz hübsch." Als der Graf schließlich aufforderte, eine große Einbrecherbande zu formieren, an deren Spitze er sich stellen wolle, um alle Tage bei Juden einzubrechen, wurde die Versammlung polizeilich aufgelöst. Die Tatsache, daß der entschiedenste Antisemit, der im Vertrauen auf feine „gräfliche Immunität" nur das flottweg auszusprechen wagt, was manche andere nicht blaublütige Antisemiten im Innersten wünschen und hoffen, mit logischer Notwendigkeit einerseits dazu gelangt, auch in der Biesterfelder Frage eine Lippe zu riskieren und in der Judenfrage sich ermunternd an Diebe und „Einbrecher" zu wmden, ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Liebermann, Ahlwardt, Bruhn und Pückler verkörpern die Antisemitenfrage sowie die Berliner Bewegung; wenn auch auf verschiedenen Wegen