Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 603 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 603 denn ich liebe Eure biederen und ehrlichen Gesichter. Wie wäre es denn, wenn wir jetzt die Juden mal ganz gehörig verdreschend Ich, Euer Führer, gehe voran mit einer großen roten Fahne in der Hand und auf der Fahne stehen die Worte: „Fort mit den Juden, raus mit der verfluchten Baude, fort mit dem Levysohn und dem Abraham, raus mit dem kleinen Cohn, fort mit dem Aas, der Sarahleben, fort mit der ganzen Mischpoke." Und Ihr roten Kerle, Ihr folgt mir alle nach, ebenfalls mit roten Fahnen und so ziehen wir durch die Straßen von Berlin mit brausenden Hurrarufen! . . . Auch der gute, liebe, brave Bebel muß jetzt mitdreschen auf die Judenbande, da hilft ihm alles nichts. Ter Bebel hat vor einigen Wochen wieder eine große Rede gehalten in Amsterdam oder sonst irgendwo, und in dieser Rede da hat er gesagt, Deutschland sei zur Zeit das am schlechtesten regierte Land von allen Staaten Europas; und da hat er recht, der liebe, gute Bebel, der Mann hat überhaupt immer recht, denn er ist ein ganz famoser Kerl. Ich unterschreibe alles, was der Bebel in Amsterdam gesagt hat. . . . Zurzeit hat Wilhelm der Zweite von Hohenzollern einen gewaltigen Streit mit dem Grafen zur Lippe-Biesterfeld, mit dem Regenten von Schaumburg « Lippe. (!!). Immer feste so weiter, dann werden wir in einigen Jahren 3 bis 4 Millionen Sozialisten im Lande haben. Vielleicht wird der Graf zur Lippe»Biesterfeld auch noch einmal Sozialist, wenn er weiter so schlecht behandelt wird, antisemitischer Sozialist oder sozialer Antisemit, was dasselbe ist; heutzutage ist jeder verständige Mensch Sozialist. . . . Vor einigen Wochen hat in Sosnowice eine frische und fidele Judenverfolgung stattgefunden . . . Das rnüffen verständige und famose Kerle sein die russischen Polizisten; die lasten die Leute ruhig toben und demolieren, und das ist meiner Meinung nach der einzig richtige Standpunkt. Solange die Massen nur das jüdische Eigentum demolieren und nur Judenlümmels verhauen, solange hat die Polizei niemals Veranlassung einzuschreiten. Es ist doch wahrhaftig kein Grund zur Aufregung, wenn mal ein paar jüdische Gauner und Halsabschneider ganz gehörig gedroschen werden. Aus dem Judenkrawall können wir außerordentlich viel lernen, meine Herren; wir können daraus lernen, daß die Judenfrage nur mit Gewalt zu lösen ist; die Lümmels müssen eben gehauen und herausgeschmiffen werden, anders geht die Sache nicht. Aber auch die Polizei, besonders hier in Berlin, kann ungeheuer viel lernen aus dem Judenkrawall von Sosnowice. Unsere Polrzeileutenants und Schutzleute sind ja alle sehr nette und sehr ehrenwerte Leute, aber sie sind zu eifrig. Im Staatsleben muß man nicht alles sehen und alles bemerken, da muß man