Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-11-01
- Page
- 600 (sequence 4)
- Language
- German
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600 Im deutschen Reich. Gerichte häufig beschäftigte, empfing s. Z. bei sehr milder richterliche.- Beurteilung anfangs niedrige Geldstrafen, aber im Wiederholungsfalk steigerten sich diese Strafen und schließlich wurde doch auf Gefängnisstrafe erkannt, die dem alten Mann so wenig behagte, daß er von da ab von seinem gesetzwidrigen Treiben abließ. Graf Pückler aber, der sich selbst öffentlich damit brüstete, 17 Male die Anklagebank gedrückt zu haben, hatte bereits Geldstrafen in ansehnlicher Höhe verbüßt, als er für das Verbrechen, grundlos dis ganze jüdische Gemeinde Glogau der Anstiftung zum Giftmord bezichtigt zu haben, mit einer Geldstrafe von 60 Mk. davonkam. Selbst zur Verwunderung seiner Bewunderer hat sich f. Z. seine Voraussagung bewährt, daß er „stolz wie ein Spanier" den Gerichtssaal verlassen würde, daß cs ihm nicht nachgetragen würde, in welchen Ausdrücken er sich wiederholt über preußische Rechter zu äußern gewagt hat. Diese nahezu unerklärliche Nachsicht scheint leider nicht nur geeignet gewesen zu fein, ihn in dem mittelalterlichen Wahn zu bestärken, daß er als Edelmann über dem Gesetze stehe, sondern auch den Besuchern seiner Vortragsversammlungen und manchen Lesern seiner Flugblätter falsche Ansichten über die Rechtspflege beizubringen, die unheilvoll nachwirken müssen und nie in einem Rechtsstaate hätten aufkommen dürfen. Dies erklärt es, Daß jetzt nicht nur die Juden, sondern viel weitere Kreise über die dem Grafen Puckter-Klein-Tschirne gewährte Freiheit, sich unbekümmert um die Gesetze mündlich und schriftlich auszutoben, die größte Entrüstung bekunden, daß selbst die ultramontane Presse und sogar antisemitische Blätter die Forderung aufstellen, diesem schmachvollen Treiben ein Ziel zu setzen. Die kathol. „Köln. Volkszeitung* fragt: „Wie kann man einen Mann wie den Grafen Pückler frei herumlaufen lasten?" Die antisemitische „Deutsche Zeitung* Friedrich Langes äußert sich: „Wenn Graf Pückler noch fernerhin als Mensch mit normalem Verstände betrachtet werden will, dann wäre es auf der anderen Seite empfehlenswert, daß der Staatsanwalt sich einmal mit diesen recht bedenklich werdenden „Narrheiten" des Grafen eingehend beschäftigte." Das judenfeindlichste Organ der Agrarier, die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Hiesige Blätter haben in den letzten Tagen den Wortlaut eines Flugblattes mitgeteilt, das eine von dem bekannten Grafen Pückler teilweise gehaltene Rede wiedergab und in den Straßen Berlins vertrieben worden sein soll. Wir wüsten nicht, ob die Rede so, wie sie in dem Flugblatte mitgeteilt worden ist, tatsächlich gehalten wurde; wir wiffen auch nicht, ob eine Verbreitung des fraglichen Flugblattes stattgefunden hat. Uns ist keines m Gesicht ge-