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Im deutschen Reich · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. 588

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Professor Dr. Carl Weigert
Date
1904-11-01
Page
588 (sequence 2)
Language
German
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588 Im dl'ulscken Reich. man nichts von ihm wissen wollte, warum man ihn in schwerer Sorge r,m seine Existenz beließ! Es ist bereils zwei Jahrzehnte her. Bei unserer raschlebigen Zeit mag schon heute nicht mehr jeder „die bekannt, n Gründe" kennen — tie späteren werden es erst recht nicht, und wenn sie sie ermitteln werden, dann werden sie sie rinverständlich finden. Denn sie bestehen lediglich darin, daß Weigert a!s Jude geboren war und nicht einen anderen „Glauben" akzeptieren wollte, und daß die damalige Leipziger Fakultät für den pathologisch-anatomischen Lehrstuhl den Bestgeeigneten nickt nehmen wollte, weil er sich nicht zum „herrschenden" Glauben bekannte. Eine Reminiszenz, nach welcher hoffentlich nicht allzusehr der künftige Historiker den Kulturstand unserer Epoche bemessen wird! Man kann es verstehen, wenn die Nachrufe darüber schweigen, offenbar von einem Schamgefühl bewogen — man kann's verstehen, aber dennoch nicht entschuldigen, denn der Publizist soll zugleich ein Richter sein, soll jedenfalls alles offenkundige Material und alle bekannten Gründe beibringen. Vielleicht tut es auch not, noch heute mancher Fakultät im Spiegel vorzuhalten, wessen damals die Leipzigerfähig war. . . - Um so wohltuender berührt es, daß ein evangelischer Geistlicher dem jüdischen Mediziner, dem die Leipziger Fakultät so bitteres Unrecht zugefügt hat, volle Gerechtigkeit widerfahren läßt. Wir laffen deshalb im Nachstehenden einen von dem Pfarrer Battenberg, dem Herausgeber des kirchlichen Wochenblatts für die evangelischen Gemeinden in Frankfurt am Main, „Die Gemeinde", am 28. August d. Js. veröffentlichten Nachruf nahezu unverkürzt folgen, weil wir darauf Wert legen, zu zeigen, daß es noch gerechte Männer giebt, die auch dem Juden geben, was ihm zukommt. Daß dabei manche Anschauungen unterlaufen, die bei dem christlichen Theologen nicht auffallend sind, sich aber niemals mit unfern Empfindungen und Gedanken decken können, ist natürlich. Es bedarf aber wohl kaum der ausdrücklichen Betonung, daß wir mit der Wiedergabe des Artikels eines christlichen Geistlichen uns nicht mit dem ganzen Inhalt desselben einverstanden erklären' Der Artikel lautet: „Wie kommt denn dieser Jude in ein evangelisches Gemeinde Blatt? Ja freilich, es war nur ein Jude. Aber daneben war er, wie uns die Fachleute übereinstimmend berichten, nicht nur ein eminentem Gelehrter, der der medizinischen Wissenschaft und damit der leidendem Menschheit die größten Dienste geleistet hat, sondern er war auck. wie ich auS eigner Erfahrung es kennen zu lernen reichlich Gelegen heit hatte, ein so edler, hochstehender Mensch, daß alle, die ihm nähe.

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