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Im deutschen Reich · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. 560

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
[Ohne Titel]
Date
1904-10-01
Page
560 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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560 Im deutschen Reich. lesen könnten, eine ansehnliche Subvention -erhalte. Die Verhinderung jüdischer Inserate in judenfeindlichen Blättern sei nur möglich, wo das Inserieren auf Unachtsamkeit oder Gedankenlosigkeit beruht, nicht wo das Geschäftsinteresse das Gefühl der Selbstachtung bereits erstickt habe. Bezüglich der Moonschen Blindenanstalt warne er davor, sich vom Zorne Hinreißen zu lassen und im Eifer über das Ziel hinauszuschieben. und ein Wohltätigkeitsinftitut dabei ohne Grund zu schädigen. Sollte die Ermittelung ergeben, daß wirklich bei der Verbreitung der Missionsschrift mehr als ein Mißverständnis oder der Fehler eines einzelnen Vorstandsmitgliedes vorliege, dann würde der Central-Vereins-Vorstand nicht zögern, in dieser Sache Stellung zu nehmen. Diese Angelegenheit fei aber noch nicht geklärt. Diese Erklärungen wurden sämtlich beifällig ausgenommen und dann erfolgte der Schluß der Versammlung. In dem vorigen Hefte dieser Zeitschrift haben wir die Mitteilung eines Vereinsmitgliedes veröffentlicht, daß kürzlich im Kursaale zu Ems bei einem Wohltätigkeits-Konzert des „Vaterländischen Frauen Vereins" antisemitische Dichtungen zum Vortrage gelangt und dadurch Juden, die Karten gelöst und Geschenke gestiftet hatten, veranlaßt worden seien, den Saal vor Beendigung des Festes zu verlassen. Von einem Emser Vereinsmitgliede ist uns darauf ein Bericht zugegangen, nach welchem der Vorfall im Kursaale in einem anderen Lichte erscheint. Die von Herrn Referendar Dr. von Jbell vorgetragenen humoristischen Gedichte des Frankfurter Dialekt-Dichters Stolze haben nach dieser Darstellung keineswegs eine antisemitische Tendenz, wie schon daraus hervorgeht, daß die Stolzeschen Gedichte in den Häusern vieler Frankfurter Juden gelesen und für harmlos gehalten werden. Immerhin kann bezweifelt werden, daß die Wahl der Gedichte, die in einer friedlicheren Zeit bei den Juden keinen Anstoß erregt haben, in der Gegenwart, in der alles im Jargon Gesprochene den Antisemiten Gelegenheit zur Verhöhnung bietet, eine glückliche war. Sicher wird das Gedicht „Levi und Rebeckchc" bei manchen Hörern aus rein ästhetischen Gründen ein unbehagliches Gefühl erweckt haben. Der Vorfall bietet aber für eine Abwehr- Aktion keinen Anlaß; vielmehr müssen wir uns vor einer Ueberempfindlichkeit besonders dort hüten, wo, wie in diesem Falle, nicht nur dem verstorbenen Dichter, sondern auch dem Vortragenden sicher jede Absicht, die Juden zu kränken, fern gelegen hat. Besonders gern berichten wir die Versicherung unseres Emser Vereinsmitgliedes, daß trotz der von Herrn Pfarrer Vömel dort gehaltenen, von uns schon

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