Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 559 (sequence 3)
- Language
- German
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BereinSnachrichLen. 559 dem Publikum seinen Antisemitismus durch „Jüdeleien" kundgcgeben, das „Geeignete verfügt sei." Herr Dr. Horwitz kam auch noch auf mehrere Artikel in der „Zukunft" zurück, um zu betonen, daß man von einem getauften Juden höheren Bildungsgrades doch eigentlich mehr Takt erwarten sollte, als Herr Mittkowsky- Harden bekundet habe. Er habe die von ihm herausgegebene Zeitschrift zur Ablegung der Geistesgedanken Fromers hergegeben, der, obgleich Beamter der jüdischen Gemeinde, sich nicht scheute, die Juden zum Abfall aufzufordern. Gegen das Gebühren solcher ehemaligen Juden öffentlich Front zu machen, sei dringend geboten. Mehr als je sei aufs Innigste zu wünschen, daß auch solchen Abtrünnigen gegenüber die Juden sich als charaktervolle Männer erweisen. (Lebhafter Beifall!) Nach kurzer Pause wurde die Diskuffion eröffnet, an der sich die Herren Schwarz, I)r. Werner, Henry Hoffftädt, Wechsler, vr. Lewin u. a. m. beteiligten. Im Verlaufe der sehr anregenden Debatte wurde der Vorstand ersucht, eine Liste der zu antisemitischen Versammlungen benutzten Lokale zu veröffentlichen, damit darin nicht mehr an hohen Feiertagen jüdische Gottesdienste stattfinden, solche Lokale aber auch zu andern Zeiten von Juden gemieden werden. Ferner möge der Vorstand dahin wirken, daß die jüdischen Familien den Verkehr mit solchen jungen Leuten, die dem Judentum den Rücken gekehrt haben, abbrechen, und sie den Kreisen überlassen, denen sie sich durch die Taufe zugcfellen wollten, wenn ihnen dies auch nicht immer glückt. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß die „Staatsbürger-Zeitung" für den Ausfall der Gerichtsvollzieher-Inserate durch die größeren Anzeigen einiger jüdischer Geschäftsleute (insbesondere „Baer Sohn") entschädigt werde, daß die Juden vor dem Besuche des Herrnfeld- Theaters gewarnt werden müßten, daß ferner die Moonsche Blindenanstalt noch weiter durch Beiträge der jüdischen Gemeinde und vieler wohlhabender Juden unterstützt werde, trotzdem einer ihrer Vorstände gleichzeitig mit dem Geschäftsbericht eine Misstonsschrift verbreitet habe. Der Vorsitzende erwiderte auf diese Anregungen, daß der (Zentral - Vereins - Vorstand sich nicht mit den Gerichtsvollzieher-Anzeigen beschäftigt habe, um die „Staatsbürger Zeitung* zu schädigen, sondern, weil es nicht zulässig erschienen sei, daß auf Kosten armer Schuldner oder schwergeschädigter Gläubiger das wenig verbreitete und für solche Anzeigen .völlig ungeeignete Organ einer politischen Partei, das ein großer Teil des Mittelstandes, nämlich die Juden, unbeschadet ihrer Selbstachtung nicht