Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 558 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316724--12969-2334003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
558 Hm deutschen Reich. des Professors Karl Weigert in Frankfurt am Main erlitten habe, der dac Zierde der medizinischen Wissenschaft war, aber trotzdem die ihm angebotene ordentliche Professur an der Universität nicht erlangle, weil er sie nicht durch den Uebertritt zum Christentum erkaufen wollle. Die Anwesenden erheben sich von den Sitzen, um das Andenken aller dieser Dahmgeschicdenen zu ehren. Der Redner entwarf dann ein farbenreiches Bild der Vereinstätigkeit in den letzten Monaten, schilderte das eigentümliche Verhalten verschiedener Militärbehörden bezüglich der Beförderung von Juden zu Reserve-Offizieren und in der Frage der Aufnahme von Juden in die Unterossizierschulen, wies die Zumutung des Herrn Oberstleutnants a. D. von Wartenberg, daß die Juden sich in Bezug auf militärische Beförderungen mit dem theoretischen Zugeständnis der Berechtigung bescheiden begnügen möchten, als eine unwürdige energisch zurück und warf die Frage aus, was etwa einem Sozialdemokraten widerfahren würde, wenn es diesem cinfallen sollte, so wie es Graf Pückler öffentlich bezüglich d^r jüdischen Offiziere getan habe, preußische Soldaten aufzufordern, im Kriege auf ihre Vorgesetzten zu schießen? Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz bczcichnete es als Pflicht, das Verhalten der Staatsanwaltschaft anzuerkennen, welche, nicht erst auf Antrag, sondern von amtswegen gegen den Grafen Pückler Anklage erhoben habe; es bliebe nun abzuwarten, wie die Richter sich über he Grenzen der .bildlichen" Aufreizungen zu Mord und Totschlag äußern würden. Die „Staats bürger-Zeitung" sei seit ihrem Krach mit dem Grafen Pückler und dem Verlust der einträglichen Gerichtsvollzieher-Inserate etwas'kleinlaut geworden; eine gute Rote könne man ihr deshalb aber noch nicht erteilen; habe sie doch auf unfern Appell an ihre Wahrheitsliebe geantwortet, daß sie den Vorstand des jüdischen Central-Vereins nicht für „legitimiert" erachte, von ihr eine Berichtigung im Interesse eines von ihr fälschlich zum Juden gemachten christlichen Nahrungsmittelfälschers zu verlangen. Die Köln. Zeitung habe eine von dem Central - Verein veranlaßte Berichtigung des Herrn Rabbiner Dr. Landau in Johannesburg ausgenommen, dem in einer der „Schles. Ztg." entnommenen Notiz Worte in den Mund gelegt waren, die er nicht gesprochen hatte. Der Redner berührte dann noch die Verurteilung der „Deutschen Hochwacht" wegen eines gehässigen Weihnachtsflugblattes, die durch Beschwerde erlangte Verlegung eines Termins am Versöhnungstage, die Entfernung eines judenfeindlichen Plakats auf Veranlassung eines Nakeler Vereinsmitgliedes und die Mitteilung der Kaiserlichen Ober-Pofldirektion Oldenburg, daß gegen den Post-Assistenten Binneweis in Papenburg, der im Verkehr mit