Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 551 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 551 Pcirlamentsbenchte auf Bestellung gegen Bezahlung zu liefern, was er zunächst zwar der Wahrheit zuwider in Abrede stellte, aber vor Gericht doch auf freundliches Zureden schließlich zugegeben hat. Unter der Ueberschrift „Gott als Zeuge" schreibt die Berliner Zeitung: „In den Deutsch-Sozialen Blättern des Herrn Liebermann v. Sonnenberg sucht der phrasenreiche antisemitische Schriftsteller Ma r Be wer wieder einmal nachzuweisen, daß alle berühmten Leute Antisemiten gewesen feien. Der Artikel schließt mit dem Trumpf: „Selbst Gott der Herr sagte zu Moses: Ich sehe, daß es ein halsstarriges Volk ist . . . sagte zu den Kindern Israels, ich werde einmal plötzlich über dich kommen und dich vernichten! ..." Der liebe Gott als Eideshelfer für die antisemitische Weltanschauung — das ist doch wohl das stärkste Stück, das sich der Antisemitismus bisher geleistet hat." — Daß dieses stärkste Stück eine Gotteslästerung ist und gegen den § 1GG St--G.-B. verstößt, geniert den bekannten „Bilderbogen-Tertschreiber", Herrn Bewer, anscheinend nicht! Die „Berliner Zeitung" schreibt: „Liebermann-Ehrengabe. Nicht um den berühmten Maler Liebermann handelt es sich, der vom deutschen Volke geehrt werden soll. Herr Liebermann v. Sonnenberg vielmehr, der Antisemiten- und Agrarierführer, soll, wie einst Eugen Richter, von seinen Gesinnungsgenossen eine Geldspende gestiftet erhalten. Es ist nämlich 25 Jahre her, daß Herr v. Liebermann politisch tätig ist. Wenn der u. a. auch von Herrn Diederich Hahn Unterzeichnete Auftuf, den z. B. die „Deutsche Tagesztg." als Gratis-Jnserat bringt, an „alle deutschgesinnten Männer" appelliert, so ist das eine kecke Anmaßung. Natürlich kann nur den Geldbeutel für Herrn v. Liebermann auftun, wer seiner Judenfrefferei und seinem Zollwucher zuftimmt." In dem Oktoberheft der von einem Japaner herausgegebenen Monatsschrift „Ost-Asien" wird unter der Ueberschrift „Russische Gefangene in Japan * u. a. berichtet, daß im Tempel Miosei-Ji 101 russische Gefangene untergebracht seien und dann Folgendes bemerkt: „Unter diesen Gefangenen sind über 20 Juden, welche, da sie von ihren Mitgefangenen sehr schlecht behandelt wurden, von diesen getrennt gehalten werden." — Selbst gemeinsames Unglück von Kameraden tilgt also nicht die antisemitische Roheit! Wie die „Staatsbürger-Ztg." mitteilt, hat die Leitung der „Deutschen Reformpartei" beschlossen, für die Reichstagsnachwahl in Jerichow I und II, wo das Mandat durch den Tod des Fürsten