Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 552 (sequence 9)
- Language
- German
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552 Im deutschen Reich. Herbert Bismarck erledigt ist, den Rechtsanwalt vr. Wohlfarth in Genthin als Kandidaten aufzustellen. Dr. Wohlfarth war bei der Nachwahl 1897 und bei den Hauptwahlen 1898 und 1903 der Kandidat der „Deutschen Reformpartei in der Westpriegnitz" und hat damals in der Magdeburger „Sachsenschau" und in einem von ihm selbst in Rathenow herausgegebenen Blättchen für seine Wahl selbst vergeblich agitiert. Von liberaler Seite ist der Lehrer Mertens aufgestellt; von den Nationalliberalen wird der Sekretär des verstorbenen Fürsten Herbert Bismarck, Legationsrat a. D. vom Rath, für eine Kompromiß-Kandidatur empfohlen. Da auch die Konservativen und die Sozialdemokraten auf dem Plan erscheinen, haben die Wähler des Kreises Jerichow I und II keinen Grund, sich über eine ungenügende Auswahl von Kandidaten zu beklagen. Am 23. Oktober d. I. begeht die an der hiesigen Universität bestehende jüdische Verbindung im K. C. „Sprevia", die Feier ihres zehnjährigen Bestehens. Die Verbindung, in schwerer Zeit zur Abwehr des Antisemitismus und Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden gegründet, hat es verstanden, sich in kurzer Zeit unter ihren christlichen Kommilitonen Geltung zu verschaffen. Die bordeaurotc Couleur mit dem gelb-weiß-schwarzen Bande ist unter der Berliner Studentenschaft allgemein geachtet. Die Existenz - Berechtigung der Verbindung ist offenbar; ihre Lebensfähigkeit hat sie in den 20 Semestern ihres Bestehens zur Genüge bewiesen. Die Verbindung, die im studentischen Leben dieselben Interessen wie der Central-Vcrein im bürgerlichen vertritt, hat sich bisher stets mit Recht der Sympathien der jüdischen Philistergesellschaft zu erfreuen gehabt. Charlottenburg, 2. Oktober. Nach langem Leiden ist hier am 3. v- Mts. der Geh. Medizinalrat Prof. vr. meä. Heinrich Koebner im 66. Jahre seines arbeitsreichen Lebens sanft entschlafen. Der Dahingeschiedene hat an den Bestrebungen des Central-Vereins stets ein reges Jntereffe bekundet. + Kottbus, 1. Oktober. In der hier am 19. v. M. abgehaltencn Niederlausttzer Pastoralkonferenz stellte Pastor Loewentraut ans Eulo bei Forst als unmittelbaren Zweck der Predigt die Seligkeit dar und betonte, daß theologische und politische Zeitströmungen diesen Zweck nicht beeinflussen dürften. In seinem Hauptvortrage erklärte aber der frühere Hofprediger v. Stöcker folgendes: .Von der Reformation an habe die evangelische Kirche das Volk geleitet. Das sei seit 50 Jahren nicht mehr der Fall. Judentum, Sozialdemokratie und Katholizismus beherrschten cs. Die evangelische