Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-10-01
- Page
- 546 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316724-2333892--12937-2333991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
546 Im deutschen Reich. kenntnisscs berechnet. Da lauten denn die (auf 100000 der stlaswürdigen Personen bezogenen) Ziffern für Meineid: bei den Evangelischen ....),7 „ „ Katholiken.2,1 „ r, Juden.2,2 Bedenkt mar, daß bei den Juden schon 1 Fall die Ziffer um 0,2 verändert, so wird man, will man die Wahrheit nicht grundsätzlich von sich weisen, anerkennen muffen, daß die geringe Abweichung der jüdischen von der Ziffer der beiden christlichen Konfefstonen ganz und gar zufälligen Charakters ist. Nicht entbehrt es in gewissem Umfange der Komik, wenn nach derselben amtlichen Quelle die entsprechende Ziffer für Mord (!!!) bei den Juden sich höher als bei Evangelischen oder Katholiken stellt: 0,24 auf 100 000 strafwürdige Juden, dagegen Q,2:> bei den Evangclifchen uno gar nur 0,19 bei den Katholiken. Daß aber die Juden an Mcrdsucht ihre christlichen Mitbürger übertreffen, hat wohl die „Deutsche Hochwacht" am wenigsten erwartet. Die Rinaldo Rinaldinis aber müssen doch wenigstens Courage haben. Für die Gesamtheit der Delikte stellen sich die Ziffern übrigens bemerkenswert günstig. 1100,5 auf 100 000 strafwürdige Juden gegen 1136,1 bei den Evangelischen und 143!),O bei den Katholiken. — Ebenso unrichtig wie die in dem betreffenden Artikel der „Hochwacht" ausgestellte Statistik sind die in jenem Aufsatze enthaltenen angeblichen Citate aus dem jüdischen Schrifttum, welche beweisen sollen, daß die Juden an den Meineid gewöhnt seien. Weder das Buch „Mem*rath hamaor4 noch die Schrift „Dibre David“ gehört zum Talmud; das erstere ist um das Jahr 1300 von einem castilianischen Inden verfaßt. An der bezeichneten Stelle ist das Citat der ,,Hochwacht" nicht zu finden und ähnlich verhält es sich mit dem Citat aus der ..Dibre David4 , das sich nicht verifizieren läßt und offenbar nur zur Irreführung dient. So sieht die ,,ungeschminkte Wahrheit' der Antisemiten aus! In der am 13. September d. Js. stattgehabten Repräsentanten-Versammlung erfolgte die Beratung der Vorlage der Dienstentlaffung des Bibliothekars der jüdischen Gemeinde Berliner. Fromcr, der bereits am 18. August d. Js. von seinem Amte suspendiert worden war, weil er sich zu der Autorschaft, eines in der „Zukunft" veröffentlichten Artikels bekannte, dessen Tendenz sich gegen die Existenzberechtigung des Judentums richtet. Zu der vom Gemeindevorstand deshalb beschlossenen Dienstentlassung hatte die Repräsentanten-Versammlung